Motorenstandort Bad Neustadt

Siemens eröffnet Arena der Digitalisierung

Individualisierung, Qualität, Effizienz, Geschwindigkeit und Flexibilität: Die Digitalisierung stellt anspruchsvolle Anforderungen an Industriebetriebe. Um seine Kunden bei diesem Wandel eng und authentisch zu begleiten, hat Siemens ein neues Technologie- und Anwendungszentrum für die Metallbearbeitung in Bad Neustadt an der Saale eröffnet. Es demonstriert dem Besucher die neuen technologischen Möglichkeiten, aber auch wie Siemens als Anwender selbst damit umgeht.
Wegweisende Musterfabrik: Siemens-Vorstand Klaus Helmrich bei der Einweihung des neuen Kunden- und Technologiezentrums.
Wegweisende Musterfabrik: Siemens-Vorstand Klaus Helmrich bei der Einweihung des neuen Kunden- und Technologiezentrums. Bild: Siemens AG

„Willkommen im Zentrum der Digitalisierung“, begrüßte Dr. Wolfgang Heuring, CEO der Business Unit Motion Control, die geladenen Kunden, Partner und Kollegen im Rahmen der Eröffnung. „Die Digitalisierung spielt hier zwei sehr wichtige, aber unterschiedliche Rollen: Zum einen dient sie ganz klar der Zukunftssicherung des Standorts Bad Neustadt.“ Zum anderen biete sich mit dem technologischen Wandel aber auch die Chance für ein Vorzeigewerk, welches das gesamte digitale Siemens-Angebot für den Bereich Werkzeugmaschinen abbilde.

Heterogener Maschinenpark: Die Siemens-Motorenproduktion in Bad Neustadt umfasst alte und neue Maschinen.
Heterogener Maschinenpark: Die Siemens-Motorenproduktion in Bad Neustadt umfasst alte und neue Maschinen.Bild: Siemens AG

Arena vereint Theorie und Praxis

Um diese Chance zu ergreifen, hat Siemens also seine neue Arena in Bad Neustadt angesiedelt – als Zentrum für Theorie und Praxis zugleich. Denn parallel zum Showroom mit rund 800m², in dem sich Besucher zu verschiedenen Umsetzungsschritten und strategischen Ansätzen der Produktionsoptimierung informieren können, bietet Siemens auch einen Rundgang durch die Vorfertigung des Motorenwerks an. Hier wird anschaulich vermittelt, welche Maßnahmen aus dem eigenen Digitalisierungsangebot in Bad Neustadt einsetzt werden und welche Vorteile das Werk daraus ziehen kann. „Wer aber erwartet in der Vorfertigung ausschließlich modernste Maschinen zu sehen, der täuscht sich“, so Heuring weiter. Vielmehr wolle man ganz authentisch zeigen, wie sich gewachsene Fertigungsstrukturen durch Möglichkeiten der Digitalisierung fit für die Zukunft machen lassen. So bekommt der Besucher einen sehr heterogenen Maschinenpark zu sehen – manche Maschinen sind 30 Jahre alt, andere erst wenige Wochen – der aber das komplette WZM-Spektrum abdeckt: Drehen, Fräsen, Bohren, Schleifen etc. Durch die hauseigenen Digitalprodukte konnte Siemens in Bad Neustadt Durchlaufzeiten bei Prozessänderungen um 40 Prozent, Korrekturschleifen um 50 Prozent und Hochlaufzeiten neuer Maschinen um 60 Prozent verkürzen.

Arena der Digitalisierung: Standesgemäß erfolgte die Eröffnung per Tablet und digitalem Finger-Scan.
Arena der Digitalisierung: Standesgemäß erfolgte die Eröffnung per Tablet und digitalem Finger-Scan. Bild: Siemens AG

Stärkung des Standorts

In Bad Neustadt werden seit 80 Jahren Elektromotoren gefertigt. In zwei Werken beschäftigt Siemens 1.600 Mitarbeiter. Die heutige Herausforderung ist aber nicht die durchaus ansehnliche Produktion von rund 2.000 Motoren am Tag, sondern die hohe Variantenvielfalt. Dadurch, dass rund 30.000 verschiedene Motoren bestellt und gefertigt werden können, sind die Losgrößen und damit auch die Umrüstzyklen oft klein. Die Kompetenz, Trends wie diesen zu begegnen, werden jetzt explizit hervorgehoben. Denn während der Siemens-Standort im vergangenen Jahr u.a. durch einen geplanten Stellenabbau Aufmerksamkeit erhielt, will man den Spieß mit dem Image der Siemens-eigenen WZM-Musterfabrik jetzt umdrehen und den Standort gezielt stärken: „Die Arena der Digitalisierung wird wegweisend sein“, unterstreicht Siemens-Vorstand Klaus Helmrich das Vorhaben. „Und zwar in zweifacher Hinsicht: zum einen als Technologiezentrum für Maschinenbauer, aber auch für Anwender, wie es Siemens ja auch selbst ist.“ Zum Anderen soll sich die konzentrierte Digitalkompetenz auch auf die Region und das Land auswirken. Geplant ist es, die Arena ständig anzupassen und zu erweitern. Gestartet ist Siemens mit sechs Themenräume zu den folgenden Aspekten:

  • Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung erkennen
  • Arbeitsvorbereitung und Prozesse verkürzen
  • Produktionsprozesse optimieren
  • Maschinenleistung und Bearbeitung verbessern
  • Anlagenverfügbarkeit erhöhen
  • digitaler Zwilling in Entwicklung, Herstellung und Betrieb.

Weiterhin steht auch die Zusammenarbeit mit Forschung und Wissenschaft ganz oben auf der Agenda der Arena. So soll laut Helmrich z.B. bereits im Herbst ein erster deutschlandweiter Kongress im neuen Technologiezentrum stattfinden. (mby)

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