Im Gespräch mit Jens Riegger und Patrick Zimmermann, Fruitcore Robotics
Die Industrie braucht Pep
Das 2017 gegründete Unternehmen Fruitcore Robotics aus Konstanz am Bodensee beschäftigt mittlerweile 75 Mitarbeiter und hat sich auf preiswerte und einfach zu bedienende Industrieroboter samt Software spezialisiert. Chefredakteur Wolfgang Kräußlich hatte zwei der Gründer in seinem Podcast zu Gast.
 Die Fruitcore-Gründer Jens Riegger (links) und Patrick Zimmermann mit einem ihrer Horst-Roboter.
Die Fruitcore-Gründer Jens Riegger (links) und Patrick Zimmermann mit einem ihrer Horst-Roboter.Bild: TeDo Verlag GmbH

Das Unternehmen heißt Fruitcore Robotics, das erinnert an Kleinrechner wie Raspberry Pi. Aber in den Robotern finden sich keine solchen Geräte. Woher kommt der Name?

Jens Riegger: Wir hatten während des Studiums schon die Idee der Selbstständigkeit und dafür mit Raspberry Pi, Banana Pi Pro und anderen Einplatinen-PCs experimentiert. Wir haben dann einen passenden Namen für unser damaliges Vorhaben gesucht und sind bei Fruitcore gelandet, was wir auch angemeldet haben. Der Name hat uns einfach gefallen und wir wollten ihn auch nicht mehr aufgeben. Darum haben wir Fruitcore Robotics draus gemacht, als wir uns auf Roboter konzentriert haben.

Patrick Zimmermann: Was uns gut gefallen hat ist, dass es einfach nicht so technisch ist, sondern locker klingt, so, wie wir auch sind, wie es auch unsere Kunden erleben.

Braucht die Industrie diese Art von Lockerheit? Man spricht doch immer vom konservativen Maschinenbau…

Zimmermann: Wir verbinden das. Wir sind auf der einen Seite mega diszipliniert und wollen Exzellenz erreichen bei unseren Produkten, und gleichzeitig ist es doch sinnvoll, im Kontakt zu anderen Firmen easy an die Sachen ranzugehen.

Riegger: Was man nicht vernachlässigen darf, ist dass eine neue Generation kommt. Wir treffen Entscheider, die sind 35 Jahre alt, und das merkt man auch. Die Robotik muss, glaube ich, mehr in Richtung B2C-Marketing gehen, und da sind peppige Namen extrem hilfreich.

Auch der Name ‚Horst‘ für Eure Roboter ist ungewöhnlich. Was hat es damit auf sich?

Zimmermann: Das ist die Abkürzung für Highly Optimized Robotic Systems Technology. Der Name bleibt einfach im Gedächtnis hängen und ist eben nicht eine kryptische Nummer, die den Roboter bezeichnet.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, ein eigenes Unternehmen zu gründen? Wo steht Ihr jetzt?

Zimmermann: Wir sind schrittweise gestartet. Anfangs waren wir ein Fünfer-Team und haben mit wenigen Robotern viel Dienstleistung gemacht. Wir hatten ja das Exist-Gründerstipendium bekommen, da hat man für zwölf Monate eine Finanzierung. Trotzdem muss man irgendwie in Kundenkontakt kommen. Deshalb haben wir, ausgehend von der ersten Motek-Messe, die wir noch aus der eigenen Tasche gezahlt haben, fünf Dienstleistungsprojekte gewonnen, die wir auch selber integriert haben. Das heißt, wir hatten ein relativ großes Dienstleistungsvolumen und nur fünf Stück Roboter verkauft. Aber das war der Proof of Concept, dass Systeme, die nicht overengineered sind, bezahlbar und trotzdem von der Qualität her leistungsfähig, eine Nische sind, in der man sich sehr gut positionieren kann.

Riegger: Durch die Dienstleistung haben wir so viel Geld verdient, dass es zum Leben gereicht hat – immer mit dem Fokus auf die Entwicklung des Roboters. Dann haben wir irgendwann angefangen mit einem Business-Angel aus dem engeren Umkreis zusammenzuarbeiten, ganz klassisch. Und in der jetzigen starken Wachstumsphase arbeiten wir mit etablierten Venture Capitals zusammen. Mittlerweile haben wir 75 Mitarbeiter, nicht alle in Vollzeit, und ein eigenes Werk in Villingen-Schwenningen. Horst ist jetzt täglich irgendwo in Fabriken im Einsatz, und das ist schon ein cooles Gefühl.

Das könnte Sie auch Interessieren

Weitere Beiträge

Anzeige

Anzeige