Chainflex-Leitungen von Igus in Flachstrickmaschinen von Stoll

Automatisiertes Stricken: bewegliche Leitungen im Extremeinsatz beim

Seit mehr als 30 Jahren sind die Flachstrickmaschinen von Stoll mit Chainflex Leitungen und Energieketten von Igus ausgestattet. In dieser Zeit haben die beiden Unternehmen einige Projekte gestemmt und gemeinsam neue Produkte entwickelt - so etwa sehr wirtschaftliche Leitungen für mehr als 50 Millionen Biegezyklen.
Die Flachstrickmaschinen der ADF-Serie von Stoll setzen weltweit den Maßstab, wenn es um das automatisierte Stricken von hochwertigen Textilien geht.
Die Flachstrickmaschinen der ADF-Serie von Stoll setzen weltweit den Maßstab, wenn es um das automatisierte Stricken von hochwertigen Textilien geht.Bild: igus GmbH

Wer bei Stricken an zwei Stricknadeln und einen gemütlichen Zeitvertreib in heimeliger Atmosphäre denkt, dem eröffnet das Kundenzentrum von Stoll in Reutlingen eine ganz neue Welt. Der Anbieter von Flachstrickmaschinen entwickelt und produziert Maschinen, die in 30 bis 40 Minuten einen kompletten Pullover stricken – mit feinem Maschengewebe und mit beeindruckend komplexen Designs. Das Ganze natürlich voll automatisiert. Im Kundenzentrum kann man den Maschinen bei der Arbeit zusehen, auch wenn es dem menschlichen Auge schwerfällt, den Bewegungen von Nadeln und Garn überhaupt zu folgen.

High-End-Leitungen für die beweglichen Komponenten von High-End-Maschinen – die chainflex Leitung CF9 mit TPE-Mantel und Bündelverseilung.
High-End-Leitungen für die beweglichen Komponenten von High-End-Maschinen – die chainflex Leitung CF9 mit TPE-Mantel und Bündelverseilung.Bild: igus GmbH

Hightech für die Textilindustrie

In der Branche positioniert sich Stoll als Technologieführer, um seinen Anwendern – die häufig mehrere Hundert Strickmaschinen im Einsatz haben – Vorteile im Wettbewerb zu ermöglichen. Was das konkret bedeutet, das zeigen die Maschinen für das Highend-Segment am besten. Viele Markenhersteller nutzen sie, um hochwertige Strickwaren herzustellen. Aber auch in anderen Einsatzfeldern bilden Stoll-Flachstrickmaschinen die Basis für Leistung, Designvielfalt und Flexibilität – etwa bei technischen Gestricken, bei kundenspezifischen Orthopädieartikeln oder bei Schuhen mit Obermaterial aus Strick.

Lange Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit von Stoll und Igus geht bis in die 1990er-Jahre zurück, als Stoll die erste vollelektrische Maschine im Markt einführte. Seit dieser Zeit werden die Leitungen, die Energie und Signale zum Schlitten mit den Nadeln und Sensoren bringen, in Energieketten von Igus geführt. Und mit jeder Weiter- und Neuentwicklung der Maschinen stiegen die Anforderungen. 2012 stellte Stoll die ADF-Maschinenbaureihe vor, ausgestattet mit bis zu 32 Servomotoren für das Positionieren der Fadenführer. Auf dem Schlitten befinden sich zahlreiche Aktoren für das Positionieren von Nadeln, Einlege- und Schlossteilen. Entsprechend viele Adern müssen zum Schlitten geführt werden, einschließlich der Sensorik für die extrem genaue Positionierung der Nadeln.

 Igus testet alle seine Produkte im hauseigenen Testlabor in Köln - so auch die speziellen Chainflex-Leitungen für die Stoll-Maschinen.
Igus testet alle seine Produkte im hauseigenen Testlabor in Köln – so auch die speziellen Chainflex-Leitungen für die Stoll-Maschinen.Bild: igus GmbH

Ein bis zwei Jahre – 50 Millionen Zyklen

Sämtliche Leitungen werden hoch beansprucht, weil sie ständig in Bewegung sind. „Die meisten Maschinen erreichen in ein bis zwei Jahren 50 Millionen Zyklen“, verdeutlicht Ulrich Daub, Teamleiter Hardwareentwicklung bei Stoll. „Diese Hübe sind kurz und hochdynamisch, was erst recht anspruchsvoll ist.“ Rainer Rössel, Leiter des Geschäftsbereiches Chainflex-Leitungen bei Igus ergänzt: „Unsere Leitungen sind ja grundsätzlich für bewegte Anwendungen entwickelt. Aber was sie und auch die Energieketten in den Stoll Maschinen leisten müssen, ist eine echte Herausforderung – zumal die Umgebung Abrieb vom Garn enthalten kann und die Leitungen ölbeständig sein müssen.“ Frei nach dem Motto ‚Highend-Leitungen für Highend-Maschinen‘ empfahl Igus deshalb dem Maschinenbauer seinerzeit den Einsatz von Leitungen der Serien CF9 und CF10 mit TPE-Mantel und Bündelverseilung. Diese Leitungen bewähren sich seitdem in der gesamten ADF-Baureihe.

Hohe Leistung – weniger Kosten

In den ADF-Anlagen erreichen die chainflex Leitungen, geführt in igus Energieketten, schnell 50 Millionen Hübe. Rechts im Bild der Schlitten der Strickmaschinen mit Nadeln, Sensoren und Fadenführung.
In den ADF-Anlagen erreichen die chainflex Leitungen, geführt in igus Energieketten, schnell 50 Millionen Hübe. Rechts im Bild der Schlitten der Strickmaschinen mit Nadeln, Sensoren und Fadenführung.Bild: igus GmbH

Die nächste Herausforderung ergab sich für Igus, als Stoll einen strategischen Entschluss fasste. „Unsere Kunden stehen unter enormem Preisdruck“, sagt Daub. „Wir wollten ihnen entgegenkommen und auch in Wettbewerb zu den asiatischen Herstellern treten, indem wir erstmals mit Igus-Leitungen nicht nur das Highend-Segment bedienen, sondern auch den Volumenmarkt.“ Der hohe Leistungs- und Qualitätsanspruch sollte dabei natürlich nicht verwässert werden. Zugleich aber musste der Unterschied zwischen Volumenmarkt- und Highend-Modellen erkennbar bleiben, bei klarem Preisabstand.

Keine Chance für Katalogware

Neben der Highend-Serie ADF bedient Stoll mit seiner CMS-High-Performance-Baureihe auch den Volumenmarkt, der sehr preissensibel ist. Bis die neue Generation der CMS-Maschinen serienreif war, mussten auch die Zulieferer ihre Hausaufgaben machen. „Die Aufgabe war alles andere als einfach“, blickt Rössel zurück. „Gewünscht war das gleiche Eigenschaftsprofil wie bei den Leitungen der ADF-Serie zu einem deutlich günstigeren Preis. Das funktionierte aber nicht mit unserem Serienprogramm.“ Entsprechend waren die Igus-Konstrukteure gefordert. In einer engen Zusammenarbeit, von der Bedarfsanalyse über das Design bis hin zu den Prototypen, wurden auf der Basis der Chainflex-Serien CF890 und CF891 drei Sonderleitungen entwickelt. In diesem Fall ohne den hochwertigen TPE-Mantel und ohne die extrem robuste Bündelverseilung, aber mit besonderen, hoch beanspruchbaren Litzen und mit dem damals neuen Compound iguPUR als Mantelwerkstoff. Die Leitungen wurden als Prototypen produziert und anschließend im hauseigenen Labor bis zum Lebensdauerziel der Anwendung unter realen Bedingungen getestet. „Durch das umfangreiche Testprogramm konnten wir qualifizieren, dass das theoretisch definierte Leitungsdesign auch für die reale Anwendung beim Kunden geeignet ist“, erklärt Rössel.

Günstigleitung mit 50 Millionen Hüben

Mitte 2016 waren die Tests abgeschlossen und die Leitungen wurden zur Freigabe an Stoll geliefert. Die Ergebnisse im Igus-Labor erfüllten die Erwartungen: Jede Günstigleitung hatte mehr als 50 Millionen Hübe absolviert. „Im Grunde haben wir das gleiche Konzept umgesetzt, wie Stoll es bei den Maschinen getan hat, für die wir die Leitungen entwickelt haben: Hohe Leistung bei günstigen Kosten,“ so Rössel. „Weil wir uns gemäß unserem Claim ‚Tech up – cost down‘ auf die technischen Punkte fokussiert haben, die wirklich zählen.“ Die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen hat zu exakt abgestimmten Biegeradien von Energiekette und Leitungen geführt. Nur so ließ sich das Anforderungsprofil mit deutlich günstigeren Kosten realisieren. Und deshalb haben die Highend-Leitungen CF9 und CF10 weiterhin ihr Alleinstellungsmerkmal für die Premium-Maschinen.

 Diese sezierte Chainflex-Leitung hat im Test über 50 Millionen Doppelhüben standgehalten.
Diese sezierte Chainflex-Leitung hat im Test über 50 Millionen Doppelhüben standgehalten.Bild: igus GmbH

Herausforderung Vor-Ort-Fertigung

Mit der kundenspezifischen Entwicklung der richtigen Leitung zum passenden Preis war das Projekt aber noch nicht abgeschlossen. „Die Leitung sollte auch in China zur Verfügung stehen. Das war die nächste Herausforderung“, erzählt Rössel. „Kann das zuverlässig realisiert werden? Und wenn ja, zu besten Preisen? Dazu haben wir alle Fertigungsstandorte genau abgewogen und eine Lösung erzielt, in der auch eine weltweite Verfügbarkeit sichergestellt ist und kein technisches Risiko in der Anwendung entsteht.“ Längst ist auch die CMS-Baureihe für Stoll ein Erfolg. Sie ist häufig das Einstiegsmodell für neue Kunden, die dann zu einem späteren Zeitpunkt den Schritt zu den Highend-Flachstrickmaschinen gehen. Aus Sicht von Igus sind die Maschinen aus beiden Segmenten eine gute Wahl, schließlich sind alle mit Chainflex-Leitungen ausgestattet, die für mehr als 50 Millionen Bewegungszyklen qualifiziert sind.

Konstruktive Zusammenarbeit

Für Igus ist die Zusammenarbeit mit Stoll über mehr als 35 Jahre stets konstruktiv aber – im positiven Sinn – auch herausfordernd. „Wir wissen, dass die Leitungen in unseren Maschinen sehr hohen Anforderungen ausgesetzt sind und dass nicht jeder Hersteller und jede Leitung diese Anforderungen erfüllt“, schließt Joachim Barth, der im Einkauf bei Stoll verantwortlich für Energieketten und Leitungen ist. „Wir sind also durchaus anspruchsvolle und kritische Kunden, die aber auch immer bereit sind, gemeinsam mit unseren Zulieferern intensiv an Problemlösungen zu arbeiten.“ Auch das ist vermutlich ein Grund dafür, dass sich das Unternehmen aus Reutlingen mit seinen Flachstrickmaschinen seit Jahrzehnten auf dem Markt behaupten kann.

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