Interview mit Philipp Steinberger, CEO bei Wöhner

Systemwelten verbinden, um neue Möglichkeiten zu schaffen

In den vergangenen anderthalb Jahren haben wir pandemiebedingt auch die Orte digitalisiert, an denen wir uns treffen und informieren: so auch auf der ersten rein virtuellen Ausgabe der Hannover Messe Mitte April. Auch Philipp Steinberger, CEO bei Wöhner, war dort in einigen Foren präsent. Im Nachgang zur Veranstaltung unterhielt sich unsere Redaktion mit dem Firmenchef über Möglichkeiten und Grenzen solcher Formate, die aktuelle Konjunkturlage und die wesentlichen Neuheiten des Anbieters für das laufende Jahr.

Auf der Hannover Messe Digital Edition waren Sie auch an einem Panel zum Thema Klimaneutralität beteiligt. Wie lebt Wöhner das Thema Ressourcenschonung bei der Produktion, aber auch hinsichtlich der Rohstoffe seiner Produkte?

Steinberger: Klimaneutralität – oder sogar Klimapositivität, die wir letztendlich erreichen möchten – muss ganzheitlich gedacht werden. Nicht alles, was auf den ersten Blick klimaschonend ist, ist dies auch in seiner Gesamtheit. In der Produktion verwenden wir schon seit vielen Jahren den etwas teureren Ökostrom. In unserer Fertigung analysieren wir unseren CO2-Footprint. Zudem fördern wir lokale und internationale Projekte für mehr Energieeffizienz. Wir versuchen Ressourcenverschwendung zu vermeiden. Bei der Produktentwicklung geht es bei uns unter anderem darum, unsere Lösungen kleiner und kompakter herzustellen, das heißt mit weniger Kunststoff und weniger Kupfer. Dies bedeutet, dass unsere Produkte intelligenter werden müssen, beispielsweise mit Blick auf die Wärmeleitfähigkeit oder die Innenwiderstände. Zudem sind unsere Produkte in der Regel 25 bis 30 Jahre in Betrieb. Innerhalb dieser Laufzeit sollen sie möglichst wenig Energie verbrauchen. Kurz: Wir bemühen uns, das Thema von unterschiedlichen Seiten anzugehen.

Abgesehen vom elektronischen Motorstarter Motus C14, den wir kürzlich detailliert beleuchtet haben: Welche neuen Lösungen bietet Wöhner dem Schaltschrankbau im Hinblick auf eine bessere Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit?

Steinberger: Neben dem Motus C14 haben wir seit Beginn der Corona-Krise in 2020 drei neue Lösungen vorgestellt. Da ist zunächst unser Basissystem-Adapter, der die Brücke schlägt zwischen der Systemwelt Crossboard und der Systemwelt 185Power. Letztere Lösung kommt ja ursprünglich aus dem Bereich des Energieverteilungsbaus. Über unseren Basissystem-Adapter haben wir nun die Möglichkeit, alle Komponenten, die Anwender im Automatisierungsbereich bzw. Steuerungsschrankbau verwenden – wie z.B. Motorstarter, Leistungsschalter oder Überwachungsrelais – auch auf der 185Power-Sammelschiene installieren zu können. So wird eine ursprünglich für den Energieverteilungsbereich gedachte Systemtechnik auch für den Maschinenbau interessant. Wir bieten also unsere Systemwelten nicht wie bisher konkreten Branchen an, sondern passen sie den Anforderungen der Anlage an. Durch die standardisierten Steckkontakte kann das Endprodukt entweder in dem einen oder anderen Basissystem eingesetzt werden.

Die zweite große Neuerung kommt auch aus dem Bereich der Basissysteme. Aktuell gibt es das Crossboard Energieverteilungssystem noch in zwei Längen. Da es aber unterschiedliche Schaltschrankbreiten von in der Regel 800, 900, 1.000 und 1.100mm gibt, werden wir das Crossboard künftig auch in diesen genannten Längen anbieten, damit Anwender das System über die gesamte Schaltschrankbreite nutzen können.

Die dritte Neuheit haben wir auf den amerikanischen Markt zugeschnitten. Da geht es um den Bereich Cube Fuse Holder. Eine Cube Fuse ist eine berührungsgeschützte Sicherung, die in Europa weniger bekannt ist, aber in den USA häufig eingesetzt wird. Sie ist in etwa vergleichbar mit einer NH-Sicherung in Europa. Für den amerikanischen Markt haben wir daher einen Sicherungshalter entwickelt, der diese Cube Fuse aufnimmt, und zwar ähnlich unserem NH000-Trenner für den europäischen Markt.

Zudem werden wir im Bereich elektronischer Motorschutz die Mess- und Kommunikationstechnik weiter ausbauen. Den elektronischen Motorstarter Motus C14 wird es zukünftig auch für höhere Ströme und das Schalten ohmscher Lasten geben. Hier zielen wir beispielsweise auf den Anwendungsbereich Heizdüsen für Kunststoffanlagen ab als Alternative für Solid State Relais.

Wo sehen Sie allgemein die Stärken Ihrer Sammelschienensysteme im Vergleich zu Ihren Marktbegleitern?

Steinberger: Unsere Sammelschienensysteme sind bestmöglich abgestimmt auf die Komponenten, die auf sie aufgerastet werden. Wir erzielen einen Best Fit im Sinne von Bedienung, Langlebigkeit, Verlustleistung sowie Platzbedarf im Schaltschrank. Zudem passt ein Produkt auf mehrere Basissysteme, je nach Anforderung. Die Systeme sind durchgängig gedacht: Sie ermöglichen eine einfache Planung mithilfe einer virtuellen Darstellung über einen Konfigurator auf unserer Website, eine werkzeuglose Montage, einen sehr hohen Sicherheitsstandard sowie eine geringe Verlustleistung über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

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