Statement von Insevis-Chef Jörg Peters

Verlässlichkeit als Kriterium für SPS-Lieferanten

Irgendwann ist auch der jetzige Lieferengpass vorbei und dann scheiden sich die Geister: Weiter wie bisher und alle Kräfte in das schnellstmögliche Aufholen des verlorenen Umsatzes stecken oder versuchen, auf die nächste Krise durch systemische Änderungen besser zu reagieren?
 Das HMI-Modul PC431 vereint S7-Panel, S7-SPS und umfangreiche Schnittstellen und Peripherie bei 43,5mm Bautiefe.
Das HMI-Modul PC431 vereint S7-Panel, S7-SPS und umfangreiche Schnittstellen und Peripherie bei 43,5mm Bautiefe.Bild: INSEVIS GmbH

Natürlich ist die Versuchung oder gar der wirtschaftliche Zwang groß, einfach durch unveränderte Mehrarbeit die Lieferausfälle der vergangenen Jahre zu kompensieren. Zu viel ist ausgefallen, als dass man es ignorieren könnte. Das geht sicher in Ordnung und bis zur nächsten Krise auch gut. Nur wenn es wieder Lieferschwierigkeiten gibt und man wieder keine Lösung dafür hat, wird man wieder leiden.

Analysiert man die Ursachen der aktuellen Beschaffungskrise, findet man wetterbedingte Ausfälle wie Nachwirkungen der Stromnetzausfälle in texanischen Chipwerken oder einen reduzierten IC-Ausstoß durch die angespannte Wassersituation in Taiwan und auch noch den Brand in einem Chip-Cluster in Japan. Darauf allein hätte der Markt mit Preis- und Lieferzeitreaktionen geantwortet und fertig. Dann kam Corona mit Lockdown-bedingten Betriebsschließungen in weiteren Chipwerken. Bei gleichzeitigem drastischen Nachfrageanstieg nach Homeoffice- und Kommunikations-Hardware wurden die Karten neu gemischt. Die verringerten Ressourcen wurden von den Großkunden für ihren stark gestiegenen Bedarf quasi für sich reserviert und die in geringeren Stückzahlen produzierten Bauteile für industrielle Elektronik hinten angestellt. Ebenso coronabedingt dünnten sich Transportkapazitäten aus, bis zur Quarantäneschließung ganzer Exporthäfen in China.

Bild: INSEVIS GmbH

Lokale Beschaffungswege

Doch ist das die ganze, ehrliche Analyse? Sind wir tatsächlich so machtlos gegen diese höhere Gewalten? Man kann das gerne glauben, aber warum sind dann Automatisierungsanbieter mit deutscher Herstellung wie Insevis bislang immer lieferfähig geblieben? Kleinere und mittlere Unternehmen haben sich ein gewisses Maß an Flexibilität erhalten und haben Ihre Beschaffungswege lokal gehalten und nicht überoptimiert. Obwohl bei den Marktführern alle Lieferwege theoretisch perfekt berechnet und jede Situation risikobezogen bewertet wurde, ist das permanente Operieren in diesem Grenzgebiet langfristig nicht sicher und führt zu dem aktuellen Versagen der Lieferketten.

Je weiter die Herstellung entfernt liegt, um so mehr Risiken gibt es dort und auf dem Weg zur Weiterverarbeitung bei einem hiesigen Hersteller für Automatisierungstechnik. Kurzfristige Schwankungen sind durch höhere Lagerbestände unter Abkehr von den bei Controllern beliebten Lagerumschlagsindizes abfangbar, größere Ausschläge bedürfen schnellerer Reaktion vor Ort.

Verfügbare Ressourcen müssten eventuell schnell auf andere Baugruppen umdisponiert werden können. Die Beschaffung ist gefordert, schnelle Auswege eventuell über qualifizierte Broker zu gehen. Die hochkomplexe Fertigung muss lernen, schnell und flexibel auf plötzliche Bedarfsänderungen zu reagieren. Und wenn nichts mehr geht, müssen schnell verfügbare Alternativbauteile von den eigenen Entwicklern qualifiziert, in Mustern getestet und validiert werden. Das alles ist so nur theoretisch weltweit in Video-Meetings durchführbar, denn es benötigt die Zusammenarbeit von Kunde und Lieferant als eingespieltes Team.

Bild: INSEVIS GmbH

Second Source für S7-SPSen

Diese Kultur pflegt man bei Insevis bereits seit Jahren intern und mit deutschen Fertigungspartnern. Und jetzt, im größten Materialmangel der letzten Jahrzehnte, zeigt diese Philosophie ihren wahren Wert: Insevis ist weiterhin lieferfähig. Natürlich haben die bestehenden Kunden hier den Hauptnutzen. Aber nicht nur Bestandskunden können 2022 versorgt werden, es besteht ein frei disponierbarer Materialüberhang, mit dem nun versucht wird, möglichst vielen langfristig an einer Second Source interessierten S7-Anwendern über die Engpässe des Jahres zu helfen. Insevis-S7-SPSen verfügen über den S7-300er Sprachraum und ermöglichen die Weiterverwendung von Siemens-Simatic-Manager und -TIA-Portal als Programmiersystem. Auf dieses Marktsegment hat man sich seit 2011 spezialisiert und bietet damit einen Lebensdauerverlängerer für die 300er-Produktlinie an, der für immer mehr Kunden in der aktuellen Situation als Retter der eigenen Lieferfähigkeit eingesetzt wird.

Die SPSen lassen sich mit dem SimaticManager ab V5.5 oder mit dem TIA-Portal bis V17.1 (in AWL, KOP, FUP, S7-SCL, S7-Graph) als S7-315-2PNDP programmieren und verfügen über 1MB Arbeits- und 8MB Ladespeicher. Das bietet Kunden im S7-Classic- oder TIA-Sprachraum eine passende Erweiterung der bestehenden Lösungen. Die S7-CPUs umfassen in der Grundausführung bereits zwei getrennte Ethernet-Ports (TCP, UDP, S7-Kommunikation), dazu zwei Modbus-Schnittstellen (TCP und RTU), CAN (CANopen und Layer2) sowie einen seriellen CP mit RS232 und RS485 (freies ASCII). Zusätzlich stehen je nach CPU optional Profibus-DP-Master/Slave- oder Profinet-I/O-Controller zur Verfügung. Die Verbindung von S7-Kompatibilität und neuen Schnittstellen erlaubt nicht nur eine Weiterführung preissensitiver Bestandsprodukte sondern auch ein Ratiodesign, welches quasi ohne Programmänderungsrisiko die Marge erhöhen kann. Zusätzlich sind die S7-Produkte von Insevis auf die einfache Anpassung an kundenspezifische Besonderheiten vorbereitet. 3,5 bis 15,6″ groß sind die Touchpanels, in die man die S7-SPSen integrieren kann. Dadurch erhält man äußerst flache Kompaktsteuerungen mit vielen Schnittstellen. Sie können auch rückseitig über bis zu neun Slots für frei konfigurierbare I/Os verfügen. Die Projektierung der Visualisierung erfolgt über ein kostenloses und vereinfacht an das Handling des WinCCflexible angelehntes Visualisierungs-Tool. Ein Konverter von Siemens-TIA-WinCC-Visualisierungen ins Insevis-Format erledigt den monotonen Teil einer Umstellung der Visualisierung zu ca. 75 bis 85 Prozent. Zudem bietet der Hersteller kostenlose Remotevisualisierungen auch von Siemens-S7-CPUs. Eine Begrenzung mit PowerTag-Limits gibt es nicht. Mit einem Gateway lassen sich S7-Daten per MQTT oder OPC UA der IT-Ebene zur Verfügung zu stellen und per Webvisualisierung anzuzeigen.

Resümee

Nach der Krise ist vor der Krise. Wer systematische Änderungen zur Erhaltung seiner eigenen Lieferfähigkeit nicht scheut, kommt um Anpassungen nicht herum. Ob mit Insevis als Second Source für S7-Lösungen oder anderen einheimischen Lieferanten. Verlässlichkeit ist im Maschinenbau zu einem zentralen Thema der Zusammenarbeit geworden.

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