Maximale Versorgungssicherheit

RFID-gesteuertes C-Teile Management
Ein Sortiment aus mehr als 1.000.000 Artikeln bildet die Basis für die optimale C-Teile-Abwicklung eines Anbieters für Montagetechnik. Im Fokus des Belieferungskonzepts steht eine kundenorientierte RFID-Lösung, die eine zeitgenaue Kanban-Versorgung und Behälterlogistik ermöglicht. Dadurch lassen sich in der Fertigung Lagerflächen und Kosten sparen.

Häufig sind die Fertigungshallen überfüllt mit Regalen für Montageteile wie Schrauben, Steckverbinder, Schellen, Nieten etc. und der Lagerplatz wird nicht effizient genutzt. Dies kann zu Störungen der Prozessabläufe führen. Schlankere Prozesse bei der Beschaffung von C-Teilen, also Teilen, deren Beschaffungswert im Vergleich zum Beschaffungsaufwand relativ niedrig ist, senken die Kosten und reduzieren die Lagerflächen, da man aufgrund der reibungslosen Teileversorgung weniger Behälter und Regale benötigt. Fertigungsunternehmen setzen deshalb selbststeuernde Systeme ein, sogenannte Kanban-Systeme, die eine verbrauchsgesteuerte Lagerbefüllungs- und Nachschubstrategie für C-Teile bieten. Die Würth Industrie Service GmbH & Co. KG im württembergischen Bad Mergentheim ist ein Vollsortimenter und Logistikdienstleister im Bereich Montagetechnik. Mit ihrem breit gefächerten Sortiment, das von Verbindungs- und Befestigungstechnik über Werkzeuge bis hin zu chemisch-technischen Produkten reicht, hat sich das Unternehmen erfolgreich als Partner für die Versorgung mit Kleinteilen platziert. Einen Namen gemacht hat sich Würth mit der Realisierung individueller, logistischer und dispositiver Versorgungs- und Dienstleistungskonzepte für Industriekunden. So bietet das Unternehmen modular aufgebaute Lösungen für das C-Teile-Management unter dem Namen C-Produkt-Service (CPS) an.

RFID-Kanban-Systeme

Seit rund einem Jahr ergänzen RFID-Kanban-Systeme die bisherigen Lösungen. CPS RFID steht für die funkgesteuerte und automatische Übermittlung der Artikel- und Behälterdaten von der Produktion des Kunden zum Würth-Zentrallager. Die RFID-Palettenbox, auch iBox genannt, ist das Herzstück der neuen Logistiklösung. Der Warenbedarf wird durch das Ablegen eines leeren Teilebehälters in die Box signalisiert. Sobald ein Mitarbeiter einen Leerbehälter in die iBox gestellt und den Deckel geschlossen hat, liest ein in der Box installierter RFID-Reader die Transponder-Daten des Kleinteilebehälters. Diese erlauben eine eindeutige Zuordnung von Kunden, Behältergröße, Füllmenge und Lagerort, aber auch die Chargenrückverfolgung. Die Daten werden regelmäßig an das Würth-Logistikzentrum übermittelt, wodurch die Auftragsabwicklung ohne Verzögerung erfolgt. Bei sperrigen Teilen, die nicht in die Kleinteilebehälter passen, kommt eine Paletten-Kanban-Lösung mit Karten zum Einsatz. Die Prozesse sind mit der Behälter-Lösung identisch, nur dass in diesem Fall die Kanban-Karte statt des leeren Behälters die verbrauchte Ware repräsentiert. Der Warenbedarf wird hierbei durch Einwerfen der Kanban-Karten, die RFID-Tags enthalten, in einen ´intelligenten´ Briefkasten signalisiert. (Bild 1) Eine Lampe zeigt die erfolgreiche Lesung und die automatische Bestellung der erforderlichen C-Teile an. Der mit einer RFID-Antenne ausgestattete Briefkasten bildet eine Einheit mit der Palettenbox. In dieser ist ein RFID-Schreib-Lese-Gerät Simatic RF670R installiert. Der stationäre Reader eignet sich aufgrund seiner kompakten Bauweise für Anwendungen in der Produktionslogistik und Distribution. An den Reader angeschlossen sind zwei abgesetzte UHF-Antennen Simatic RF640A. Bei der Implementierung der iTagbox für Paletten-Kanban macht Würth von der Möglichkeit Gebrauch, bis zu vier externe UHF-Antennen an den Simatic-Reader anzubinden. Die Antenne des Briefkastens ist direkt mit dem RFID-Reader der iBox verbunden. Ein für den wartungsfreien Dauereinsatz ausgelegter Nanobox-PC Simatic IPC227D übernimmt Steuerungs- und Kommunikationsaufgaben und dient gleichzeitig als Sammler der RFID-Informationen. Die Anbindung des Readers an den IPC erfolgt über XML-Protokoll, TCP/IP und Ethernet.

C-Teile-Management bietet hohe Versorgungssicherheit

\“Das RFID-gestützte C-Teile-Management erlaubt dem Kunden eine übersichtliche Lagerhaltung, optimale Platznutzung und die Möglichkeit, alle Behälterbewegungen und damit den Teileverbrauch zu verfolgen und auszuwerten\“, beschreibt Heiko Ehrmann, bei Würth Industrial Services verantwortlich für Software und Entwicklung. Darüber hinaus hat der Kunde jederzeit Zugriff auf statistische Auswertungen bis auf Behälterebene. Aufgrund des schnellen, transparenten Informationsflusses und der permanenten Datenübertragung an das Logistikzentrum ergibt sich eine hohe Versorgungssicherheit. Der RFID-Spezialist weiter: \“Bedarfsschwankungen lassen sich zeitpunktgenau analysieren, sodass die Artikelverfügbarkeit in der richtigen Menge und zum richtigen Zeitpunkt in der Kundenfertigung gewährleistet ist. Mit der neuen RFID-Lösung erhalten wir mehrmals täglich aktuelle Informationen darüber, wie viele Behälter eines bestimmten C-Teils beim Kunden leer sind. Wir erfahren, ob der Kundenbedarf zeitkritisch ist und wissen genau, ob die Teile nur an einem Lagerort fehlen oder im gesamten Werk.\“ Bisher kamen diese Informationen zeitverzögert bei Würth an, was zu zeitversetzten Lieferungen führte. Die neue RFID-Lösung schafft dieses Problem aus der Welt. Sobald die Bestelldaten eingehen, überprüft das Kanban-Management-System, ob die Nummer des Kleinteilebehälters zum Kunden passt und ob die angeforderte Ware vorrätig ist. Der Bedarf für den entsprechenden Teilebehälter wird reserviert, die über mehrere Hochregallager verteilte Ware kundenspezifisch zusammengestellt, im Warenausgang gepuffert und schließlich zum Kunden transportiert.

Besondere Anforderungen an die RFID-Etiketten

Bei der Auswahl der RFID-Etiketten legte Würth besonderen Wert auf deren Beschaffenheit. Die Etiketten müssen fehlerfrei bedruckbar sein, die Waschprozesse der Boxen unbeschadet überstehen und über einen Zeitraum von drei Jahren beständig auf den Behältern haften. Mit einer unbeschrifteten Box wäre ein RFID-gesteuerter Bestellvorgang nicht möglich. Siemens hat ein Verfahren entwickelt, das eine vorgegebene Transponder-Charakteristik garantiert. Die Tags werden bei der Herstellung qualifiziert, sodass sie eine konstante Güte aufweisen. Etiketten, die nicht diesen Vorgaben entsprechen, werden automatisch aussortiert. Unter anderem müssen auch neu entwickelte RFID-Tags die gleichen Reichweiten haben wie die Vorgängerversionen, so dass die voreingestellten Reader der Kunden ohne Nachjustieren auch mit den Chips der neuen Leistungsklasse zusammenarbeiten.

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Siemens AG
http://www.siemens.de

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