Automatisierung auf allen Ebenen

Elektrische und pneumatische Achsen, Steuerungen, Aktoren und Software
Ergänzend zur Pneumatik baut Festo sein Portfolio an elektrischen Achsen, Motoren und Steuerungen aus. Unter dem Dach des Automatisierungsystems CPX sollen dem Anwender beide Disziplinen als eine Plattform für Prozess und Fabrik zur Verfügung stehen. Zudem setzt das Unternehmen auf einbaufertige Portallösungen und moderne Software-Funktionalität.

Die Automatisierungsplattform CPX bindet mit ihren einzelnen Modulen sowohl die Pneumatik als auch elektrische Antriebe in der Fabrik- und Prozessautomatisierung an. \“Damit können Anwender ihre Systeme schnell und einfach auslegen und in Betrieb nehmen\“, betont Gerhard Borho, Leiter Business Unit Electric Automation bei Festo. \“Alles kommt aus einer Hand und ist aufeinander abgestimmt.\“ Um die unterschiedlichen Anwendungen abzudecken, stellt das CPX-Portfolio eine große antriebstechnische Bandbreite zur Verfügung: pneumatische und servopneumatische Zylinder und bei elektrischen Antrieben von Zahnriemen- über Spindel- und Kugelumlaufführungs- bis hin zu Linearmotorachsen. Zudem bietet das elektrische Terminal CPX den Anschluss der Feld- an die Leitebene, ist diagnosefähig und kann Condition-Monitoring-Aufgaben übernehmen. Weiterhin integriert es mit seinen einzelnen Modulen die Ansteuerung pneumatischer Zylinder über modulare Ventilinseln mit den Motion Controllern für elektrische Antriebe und für Safety-Funktionen. Die Motorcontroller von Festo sind offen für alle Bussysteme: CPX deckt die gängigen Bus- und Industrial-Ethernet-Systeme ab.

Einbaufertige Robotik

Zudem fokussiert das Unternehmen Festo einbaufertige Lösungen für die Handhabung und Montage basierend auf elektrischer Antriebstechnik. Dazu gehören der Delta-Roboter EXPT, das High-Speed-H-Portal EXCH, das High-Speed-T-Portal EXCT oder das Mini-H-Portal EXCM. All diesen Lösungen gemein ist eine hohe Dynamik sowie der Aufbau aus Standardkomponenten des Festo-Produktprogramms. Auf Basis eines Achsbaukastens können Kunden ihre Systeme konfigurieren und bestellen. Mit dem kontinuierlichen Ausbau von Konfigurations-Software für Komponenten und Systeme soll es für Anwender immer einfacher und sicherer werden, effiziente Antriebe auf der Sensor/Aktor-Ebene einzusetzen. Wichtige Impulse will Festo auch mit seinem Positioniersystem Optimised Motion Series setzen. Kern davon ist der Elektrozylinder EPCO, laut Hersteller ein Paradebeispiel für den einfachen und kostengünstigen Einsatz elektrischer Zylinder in der Fabrikautomatisierung. Durch ergänzende Software-Tools, Web-Konfiguration und Web-Diagnose sei der elektrische Antrieb fast so einfach zu handhaben wie ein Pneumatikzylinder. Mit Schnittstellen zu allen Komponenten wie Antriebsreglern oder Ventilinseln sind die Antriebssteuerungen sehr flexibel, weil skalierbar und modular: Egal, ob es von Punkt zu Punkt geht, eine Position überschliffen werden soll oder eine komplette Bahnsteuerung erforderlich ist.

Festo glaubt, dass Supraleiter die Automatisierung entscheidend verändern werden. Welche Chancen sehen Sie und in welcher Richtung sind Sie diesbezüglich unterwegs?

Berner: Wir lassen durch Supraleitung magnetische Objekte schweben. Mit einem Ansatz, bei dem das Gewicht dieser Shuttles keine Energie kostet – wir fliegen sozusagen umsonst und bezahlen nur für die Kühlung. Der Effekt entsteht in unserem Supraleiter, einem Keramikbaustein, ab einer Temperatur von 90K, der sogenannten Sprungtemperatur. In der Folge justiert der Supraleiter den schwebenden Magneten selbstständig und komplett ohne Elektronik. Ich kann also den Stecker ziehen und der Schwebeeffekt bleibt weiterhin bestehen. Besonders interessant für Regionen, in denen die Netzspannung ab und zu einbricht. Festo ist der erste, der eine Kombination aus Kryostat, also dem Kälteraum, in dem der Supraleiter sitzt, und einer elektrischen Kühlung nutzt. Dadurch, dass wir nicht auf Flüssigstickstoff angewiesen sind, können wir die Funktionalität einer Supraleiter-Anwendung bis zu zehn Jahre und mehr darstellen.

Wozu braucht man überhaupt schwebende Objekte?

Berner: Schweben ist die eleganteste Art der Fördertechnik und bietet so viele neue Möglichkeiten, dass man sie in Kürze gar nicht alle nennen kann. Allein die Vorteile in sehr schmutziger oder sehr saubere Produktionsumgebung: Man kann Transporteinheiten und Oberflächen problemlos mit scharfen Mitteln reinigen und desinfizieren, da der Supraleiter und die Elektronik ja darunter verborgen bleiben. Zudem können die Objekte in X-, Y- und Z-Ebene schweben und in einen Raum hineinwirken. Es lässt sich durch Glas hindurch genauso agieren, wie durch Kunststoff. Sie können Objekte handhaben, ohne dass Wände oder Böden berührt werden. Weiterhin kann man auch durch Schleusen hindurch fahren oder das Medium wechseln und die Förderstrecke durch Flüssigkeiten führen. Hier ist die Kreativität der Kunden und der Anwender gefragt. Das komplette Spektrum der möglichen Anwendungen ist noch gar nicht absehbar.

Wann ist das Ganze marktreif und in der Praxis einsetzbar?

Berner: Wenn sich eine Innovation ankündigt, dann bleibt sie noch eine ganze Zeit Zukunftsmusik. In der Autoindustrie würde man erstmal eine Konzeptstudie daraus machen – also eines dieser unglaublichen Autos, die man sofort kaufen will, die aber in dieser Form nicht auf den Markt gebracht werden. So machen wir das hier auch und laden unsere Kunden ein, sich ein Bild von den neuen Möglichkeiten zu machen. Wir selber machen uns mit Hilfe unserer Forschungsträger vertraut mit der Technologie und ihren Möglichkeiten.

Die Applikation ist also noch eine Vorentwicklung?

Berner: Genau. Bis wir eine Aussage über konkrete Produkte machen können, dauert es sicherlich noch fünf bis zehn Jahre. Zudem müssen wir für unsere Kunden weitere Vorteile herausarbeiten. Eine Innovation tritt ja immer in eine Welt ein, die sich vorher auch ohne sie arrangiert hatte. Wir haben aber schon gutes Kundenfeedback gesammelt und es gibt einige Interessenten.

Welche Hürden sind bis dahin noch zu beseitigen? Wo liegen die Knackpunkte?

Berner: Supraleiter finden in Magnet-Resonanz-Tomographen ja schon seit 30 Jahren Anwendung. Auch eine Kabelteststrecke in Essen ist bereits realisiert. Aber für die industrielle Produktion und entsprechende Wettbewerbsfähigkeit braucht man große Stückzahlen und mehrere Lieferanten. Stand heute gibt es nur wenige Zulieferer, die bisher mit eher geringen Stückzahlen arbeiten. Deshalb läuft die weltweite Herstellung von Supraleitern erst an und wir können natürlich nicht schneller sein, als diese Entwicklung.

Thematik: Allgemein
Festo AG & Co. KG
http://www.festo.de

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