Herstellerunabhängiges Leitsystem koordiniert fahrerlose Transportfahrzeuge

Taxizentrale für FTS

Bei der Flexibilisierung der Produktionsprozesse zur Umsetzung adaptiver Produktionsstrategien spielen fahrerlose Transportsysteme eine wichtige Rolle. Deren Steuerung erfolgt meist über die proprietären Systeme der jeweiligen Hersteller oder durch individuelle Lösungen. Einen dritten Weg beschreibt jetzt ein neues, unabhängiges FTS-Leitsystem. Es lässt sich einfach in Automatisierungslösungen integrieren, aber auch völlig unabhängig davon nutzen.
 Unter dem Namen TCS hat 
Sigmatek ein Fahrzeughersteller-unabhängiges FTS-Leitsystem auf den Markt gebracht.
Unter dem Namen TCS hat Sigmatek ein Fahrzeughersteller-unabhängiges FTS-Leitsystem auf den Markt gebracht. Bild: ©1nordroden/123RF.COM / Sigmatek GmbH & Co KG

In der Fördertechnik lösen fahrerlose Transportsysteme (FTS) immer öfter die bisher üblichen starren Installationen ab. Sie nehmen dem Menschen nicht nur eintönige und beschwerliche Prozessschritte ab, sondern lassen sich auch leichter an veränderte Anforderungen, Abläufe und Transportwege anpassen. So liefern sie auf den Gebieten Werkstücktransport, Montageliniengestaltung und Intralogistik die Grundlage für adaptive, also selbstoptimierende Produktionsprozesse. In den meisten Anwendungen erledigen die fahrerlosen Transportfahrzeuge die Navigationsaufgaben an Bord. Sie arbeiten dabei Transportaufträge ab, die sie von einer übergeordneten Steuerung erhalten.

 Sigmatek TCS bietet einen einfach zu bedienenden grafischen 
Editor für die Erstellung passgenauer Anlagen-Layouts.
Sigmatek TCS bietet einen einfach zu bedienenden grafischen Editor für die Erstellung passgenauer Anlagen-Layouts.Bild: Sigmatek GmbH & Co KG

Marktlücke unabhängiges FTS-Leitsystem

„Die Systeme der etablierten Hersteller sind oft proprietär und abgeschlossen“, betont Alexander Melkus, Geschäftsführer beim Salzburger Automatisierungsanbieter Sigmatek, und ergänzt: „In jüngster Zeit hinzugekommene vollautonome Fahrzeuge eignen sich noch weniger für die Integration. Sie sind eher für den Werkstattbetrieb geeignet als für die Verwendung als Teil der Gesamtautomatisierung eines Industriebetriebes.“

Diese Problemstellungen und die daraus resultierenden Integrationshürden sind in der Fachwelt bekannt. Sie haben zu Normierungsbestrebungen geführt. Deren erstes Ergebnis ist die VDA5050, eine vom Verband der Automobilindustrie (VDA) und dem Fachverband Fördertechnik und Intralogistik im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) gemeinsam definierte standardisierte Schnittstelle für die Kommunikation zwischen FTS und Leitsteuerung. Sie ermöglicht erstmals Lösungen von verschiedenen Herstellern in eine Leitsteuerung zu integrieren.

Sigmatek hat bereits seit Jahren das Ohr am FTS-Markt. Immerhin arbeiten Automatisierungssysteme des Herstellers als Bordrechner in den Fahrzeugen einer guten Handvoll europäischer FTS-Hersteller. „Wir haben erkannt, dass ein fahrzeughersteller-unabhängiges Flottenmanagementsystem in diesem Umfeld eine Marktlücke darstellt und beschlossen, diese zu füllen“, erläutert Melkus.

 Dem Plan überlagerte Heatmaps lassen Rückschlüsse 
auf Stauungen und andere Verkehrszustände zu.
Dem Plan überlagerte Heatmaps lassen Rückschlüsse auf Stauungen und andere Verkehrszustände zu.Bild: Sigmatek GmbH & Co KG

Zwischen ERP-System und Fahrzeug

Der Name des neuen Leitsystems lautet TCS, was für Traffic Control System steht. Als solches arbeitet die Software als Zwischenebene zwischen den Fahrzeugen selbst und Warenwirtschafts- und Lagerverwaltungssystemen. Aus diesen bezieht TCS die jeweiligen Transportaufträge.

Wie eine Taxizentrale schickt das Leitsystem ein verfügbares Fahrzeug zum Aufnahmeort und anschließend zur Lieferadresse. Das System erhält die Fahraufträge für die einzelnen Fahrzeuge und kümmert sich um die Routenplanung. Ist kein Warenwirtschaftssystem vorgelagert, können Fahraufträge auch direkt im TCS erstellt werden. Der Ablauf so eines Fahrauftrags ist frei-programmierbar. Das System berücksichtigt Besonderheiten der möglichen Wege, etwa Einbahnen, permanente oder temporäre Hindernisse sowie benutzerdefinierbare Einschränkungen.

Anpassung an die Realität

Nur in den seltensten Fällen stimmt bei der Erstellung der Hallenpläne die Theorie mit der Realität überein. Deshalb bietet das Traffic Control System die Möglichkeit, Echtdaten zu importieren, um die Landkarte an die tatsächlichen Gegebenheiten anzupassen. Sie können z. B. von fahrerlosen Transportfahrzeugen im Zuge der Navigation mit dem konturgeführten SLAM-Verfahren aufgenommen werden.

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