Kommunikationsbibliothek - Partner für WinCC OA

Fitnesskur für alte Maschinen und Anlagen

In vielen Industriebetrieben sind mit der Zeit heterogene Produktionsumgebungen entstanden, in denen es mitunter noch Anlagen mit geringem Automatisierungsgrad gibt, die nicht vernetzt sind und deshalb mit anderen Netzwerkteilnehmern nicht kommunizieren können. Es geht nun darum, diese Maschinen fit für die digitale Welt zu machen. Zwei kooperierende Unternehmen zeigen, wie sich das Potenzial nutzen lässt.
Simatic WinCC Open Architecture ist eines der erfolgreichsten Scada-Systeme, die Kommunikationsbibliothek Accon-AGLink von Delta Logic sorgt für den reibungslosen Datenaustausch – jetzt auch mit Support für Raspberry Pi. – Bild: ©panuwat/stock.adobe.com, ETM Professional Control

ETM Professional Control entwickelt seit mehr als 25 Jahren das Scada-System Simatic WinCC Open Architecture (kurz: WinCC OA). Durch das offene Konzept erlaubt es die Einbindung unterschiedlicher Komponenten und bietet von der Automatisierungsebene bis zur Betriebsführungs- und Managementebene zugeschnittene Lösungen. Einmal entwickelt, ist eine weitere Adaptierung einfach und eine individuelle Anpassung an Kundenwünsche rasch möglich. Das Schwäbisch Gmünder Softwarehaus Delta Logic Automatisierungstechnik nutzt diese Offenheit für seine multiplattformfähige Kommunikationsbibliothek Accon-AGLink. Diese wurde bereits 1993 entwickelt, das auch gleichzeitig das Gründungsjahr der schwäbischen Softwareschmiede war. Im Jahre 2003 wurden wiederholt Kundenanforderungen an das Unternehmen herangetragen, um die beiden Betriebssysteme Windows und Linux mit einer API zu unterstützen. Mit WinCC OA wurde dafür eine Lösung gefunden. Kurz darauf wurden weitere Funktionen für die von der SPS-Seite initiierten Kommunikationsaufträge (BSEND, BRECEIVE) implementiert. Bereits im darauffolgenden Jahr ersetzte die neu geschaffene Bibliothek für WinCC OA die vielen verschiedenen Kommunikationsbibliotheken, die für die unterschiedlichen Kommunikationswege und Betriebssysteme mit jeweils anderen Softwareprogrammierschnittstellen bisher verwendet wurden. Für die Schaffung einer derart vielseitigen Single-Source-Applikation bedeutete dies einen erheblichen Entwicklungs-, Pflege und Wartungsaufwand. Das Gesamtsystem war immer von der fehlerfreien Funktion der Einzelkomponenten abhängig. Dazu kam, dass die verschiedenen Hersteller der Kommunikationsbibliotheken verschiedene Release-Zyklen für ihr Produkt hatten. Diese dann in den Zyklus des Gesamtsystems zu integrieren, bereitete viel Mühe.

Eine Bibliothek für alle

Für die Bibliothek von Delta Logic sprach vor allem die Anbindung an die Siemens-Steuerungen. Kommuniziert werden kann mit S7-200/300/400 und Sinumerik bis hin zu S7-1200 und S7-1500, immer auch mit Zugriff auf die optimierten Datenbausteine. Als Kommunikationswege werden von seriellen Adaptern für PPI/MPI/PB über Raw Ethernet für H1 über diverse MPI- bzw. Profibus-Karten und -Adapter bis hin zu TCP/IP sowohl ältere als auch neuere Standards unterstützt – dies ermöglicht eine Nachrüstung und Kommunikation in verschiedenen Generationen von Maschinen oder Anlagen ohne sofortige größere Hardware-Nachrüstungen. Zudem kann auch eine große Bandbreite von Programmiersprachen (z.B. C++, C#, VB.net, VBA, Delphi, Java) und Compilern (z.B. Microsoft Visual Studio, GCC, Embarcadero, Eclipse) genutzt werden. Mittels einheitlicher Softwareprogrammierschnittstelle (API) kann auf diese Steuerungen von vielen Betriebssystemen zugegriffen werden. Delta Logic bietet damit eine Basis für die Digitalisierung bestehender Anlagen. Trotz der Vielfalt an Schnittstellen, Kommunikationsprotokollen und Programmiersprachen tauchen im Zuge von Industrie 4.0 immer wieder neue Herausforderungen auf. Wie aber die beiden nachfolgenden Beispiele zeigen, konnte WinCC OA unter Mithilfe der Kommunikationsbibliothek Accon-AGLink viele Kundenanforderungen erfüllen.

Bei der Digitalisierung älterer Maschinen und Anlagen trifft man immer wieder auf alte Steuerungen. Hier wurde die Anforderung nach einer möglichst minimalinvasiven Softwareänderung zur Integration des paketbasierten existierenden Protokolls (Raw Ethernet ohne TCP/IP) mit Hilfe der Accon-AGLink Bibliothek gelöst. Die Softwareschnittstelle blieb praktisch gleich, und es musste nur die Konfiguration an die neue Hardware angepasst und im Setup die neu benötigten Treiber integriert werden. Dies bedeutet insgesamt eine schnellere Verfügbarkeit des Produkts, und die Anwender können ihre Altanlagen schneller integrieren.

Lösung für Raspberry Pi

Eine weitere Anforderung war die sichere Kommunikation mit Raspberry Pi. Längst ist der Einplatinenrechner dem Image des Bastlerboards entwachsen und hat auch im professionellen Umfeld Fuß gefasst. Viele kleine Anwendungen finden in Zeiten der Digitalisierung Einzug in Konzepte von Industrie 4.0. Delta Logic hat dafür die Kommunikationsbibliothek auf das Betriebssystem des Raspberry Pi portiert, sodass dieselbe API und somit derselbe Quellcode für die Kommunikationsanbindung und sogar dieselbe Konfiguration wie bisher verwendet werden konnte. „Die Anforderung nach dieser zusätzlichen Plattform konnte mit Accon-AGLink perfekt gelöst werden, weil die Softwareschnittstelle dieselbe blieb“, sagt Geschäftsführer Rainer Hönle von Delta Logic.

Seit Anfang der Partnerschaft arbeiten beide Entwicklungsabteilungen bei der Integration von neuen Anforderungen eng zusammen, um die erforderliche Lösung schnellstmöglich auf den Markt zu bringen. Dafür stellt die Siemens-Tochter ETM dem Partner Delta Logic bei Bedarf die benötigte Test-Hard- oder -Software zur Verfügung. Accon-AGLink wird ständig weiterentwickelt.

DELTA LOGIC Automatisierungstechnik GmbH

Das könnte Sie auch Interessieren

Weitere Beiträge

Bild: Resato
Bild: Resato
Dezentrale Automation im Ex-Bereich

Dezentrale Automation im Ex-Bereich

Unternehmen, die heute in Wasserstoffinfrastruktur investieren, legen viel Wert auf die Skalierbarkeit eines Systems, um flexibel auch auf künftige Anforderungen der Märkte reagieren zu können. Genau deshalb setzt der niederländische Wasserstofftankstellen-Hersteller Resato Hydrogen Technology auf das dezentrale IP67-I/O-Modul-Konzept von Turck. Es bietet auch im Ex-Bereich eine umfassende Lösung für modulare Anlagen – und zwar für alle Signaltypen inklusive Safety.

mehr lesen
Bild:
Bild:
Warum dezentrale Konzepte die Zukunft der Automatisierung sind

Warum dezentrale Konzepte die Zukunft der Automatisierung sind

Dezentrale Automatisierungskonzepte ermöglichen die intelligente Verteilung von Steuerungsaufgaben und Ressourcen, wobei einzelne Einheiten autonom agieren und dennoch
in Echtzeit miteinander kommunizieren. Das macht Prozesse
in der Industrie nicht nur effizienter, sondern auch zuverlässiger und
robuster. Zudem ermöglichen sie flexiblere Anpassungen an sich ändernde Anforderungen und fördern die Skalierbarkeit. Das SPS-MAGAZIN hat bei
einigen Unternehmen, deren Fokus auf den Vorteilen solcher
Konzepte liegen, nachgefragt, welches Potenzial diese Entwicklungen
bieten und welche Lösungen bereitstehen.

mehr lesen
Bild: Exor Deutschland GmbH
Bild: Exor Deutschland GmbH
Diese Neuheiten hat Exor auf der SPS 2023 vorgestellt

Diese Neuheiten hat Exor auf der SPS 2023 vorgestellt

Industrial Automation Platform: Unter diesem Claim präsentierte Exor auf der SPS sein Selbstverständnis als Plattformanbieter – der den Maschinenbau von der Feldebene bis zur Cloud bedient. In diesem Rahmen waren auf dem Messestand in Nürnberg auch spannende Neuheiten zu sehen. Das SPS-MAGAZIN hat mit Udo Richter, Geschäftsführer bei Exor in Deutschland, über die Positionierung des Unternehmens und die neuen Produkte gesprochen.

mehr lesen
Bild: Ranpak
Bild: Ranpak
Steuerung sorgt für weniger Transportvolumen und mehr Nachhaltigkeit

Steuerung sorgt für weniger Transportvolumen und mehr Nachhaltigkeit

Unmengen an Luft von A nach B zu transportieren, ist weder nachhaltig noch effizient. Dennoch sind viele Pakete zu groß und erhöhen die Portokosten. Das Unternehmen Ranpak hat eine Lösung für dieses Problem entwickelt: Eine Inline-Verpackungsmaschine, die die Höhe des Kartoninhalts misst und an den Seitenwänden exakte Knickkanten und Schnitte setzt, um den Deckel millimetergenau zu falten. Voraussetzung, dass dieses Konzept aufgeht, ist moderne Steuerungstechnik.

mehr lesen