Peter Herweck erläutert im Gespräch die neue Steuerungsstrategie von Schneider Electrics EcoStruxure
„Automation Expert ist ein Gamechanger“
Automation Expert ist einer der jüngsten Bestandteile von EcoStruxure, also der IIoT-Architektur von Schneider Electric. Nachdem wir bereits im Oktober 2020 die Gelegenheit hatten, einen ersten Blick auf das hardwareunabhängige Automatisierungswerkzeug zu werfen (SPS-MAGAZIN Ausgabe 11 S.37ff. und Ausgabe 12 S.70ff.) folgte in diesem Jahr der offizielle Launch. Und während unser erster Bericht auf die Beschreibung des einzelnen Bausteins abzielte, ordnet dieser Artikel den Automation Expert im Gesamtkonzept von EcoStruxure ein und stellt die Zusammenhänge mit anderen Architekturbestandteilen her.

Gamechanger Automation Expert

Automation Expert ist aber nicht einfach nur eine neue Software-SPS. Herweck beschreibt die neue Steuerungssoftware als „echten Gamechanger“. Dafür nennt er zunächst einmal drei Gründe: „Unsere Kunden wollen nicht die nächste Legacy installieren, sondern sie wollen etwas fundamental, etwas übergreifend Neues. Wenn jemand einen IPC oder eine PLC von einer Firma ‚abc‘ kaufen will und möchte den Automation Expert darauf laufen lassen, dann wird das funktionieren – sicher nicht mit allen Herstellern, aber ich denke, diese Wahl sollte man dem Kunden überlassen. Der zweite große Gamechanger-Bonus ist unsere Engineering Effizienz: Wir können sagen, dass wir den Engineering-Aufwand in vielen Fällen halbieren, in einigen Disziplinen sind wir sogar drei bis fünffach schneller! Wir haben verschiedene Bespielapplikation von Experten der jeweiligen Systeme programmiern lassen. Das war das Resultat. Der dritte große Vorteil ist die Tatsache, dass wir uns vom Standard 61131-3 lösen. Mit der Unterstützung der IEC61499 kommt die objektorientierte Programmierung ins Feld, was erhebliche Vereinfachungen und Beschleunigungen ermöglicht. Und als weiteren Punkt haben wir mit Automation Expert eine nahtlose Integration in die Softwarewelt von EcoStruxure und der Aveva System Platform, früher Wonderware, erreicht, die sich allen Anwendern mit einem Mausklick erschließt. Damit eröffnen sich Anwendern auf einfachste Art und Weise enorme Benefits für ihre Applikationen. Dies alles bringt Automation Expert mit.“

Softwarearchitektur

„Das System ist modern ausgelegt und sowohl als Cloud- als auch Onpremislösung verfügbar“, erläutert Herweck. „Wir haben auf eine Architektur gesetzt, die auf Docker-Containern basiert, sodass das System ohne weiteres auf einer Hardware zu implementieren ist, sofern sie gewisse Anforderungen erfüllt. Natürlich validieren wir diese Hardware, weil kein Kunde hier Überraschungen erleben möchte. Wir haben bereits Komponenten von Advantec, Beckhoff, Hilscher, Raspberry PI, Revolution Pis, Systeme von Rockwell, von Siemens und anderen getestet. Das interessante ist, das es nicht unbedingt eine SPS-Hardware sein muss oder ein IPC: Das System kann auch auf Antrieben oder auf Messgeräten laufen. Entscheidend ist, dass Mikroprozessor und Processingpower stimmen. Aber dann spricht nichts dagegen Automation Expert auch auf einem Frequenzumrichter laufen zu lassen. Wir haben das beispielsweise in unserem Logistikcenter so umgesetzt“, erläutert Herweck und ergänzt: „Auch deshalb ist das System aus meiner Sicht ein Gamechanger: Fällt einer der Antriebe aus, auf dem die Steuerung läuft, arbeitet das System störungsfrei weiter, weil ein anderer Antrieb die Steuerungsaufgabe nahtlos übernimmt. Man muss also die Automatisierungsarchitektur ein bisschen anders denken, profitiert dann aber enorm von dieser Lösung.“

Zusammenspiel

Mit der Einbindung von Automation Expert in die Gesamtlösungsstrategie EcoStruxure entstehen in der einfachen Orchestrierung von Softwarebausteinen im Schneider Electric-Angebot neue Möglichkeiten. Die Integrationsarbeit hat Schneider Electric seinen Anwendern in vielen Fällen bereits abgenommen, wie Herweck verdeutlicht: „Als wir vor vielen Jahren Invensys übernommen haben, war die Verbindung von Wonderware mit einer Modicon-Steuerung eher schwierig, wohingegen die Integration mit Rockwell- oder Siemens-Steuerungen einfach war. Heute ist die Verbindung von Wonderware mit Rockwell- oder Siemens-Steuerungen immer noch einfach, aber noch einfacher geht es mit Schneider Electric-Steuerungen, weil wir natürlich intensiv daran gearbeitet haben und die Internas kennen. Und diese einfache Integration hat viele Vorteile: Wir berühren hier Bereiche, in denen es nicht nur um Visualisierung geht, sondern auch um Themen wie Simulation, Digital Twin Engineering usw. Mit der Fusion von Schneider Electric und Aveva haben sich darüber hinaus die Möglichkeiten nochmals erheblich erweitert. So steht mit der Predictive Analytics Software Prism nun ein Tool zur Verfügung, mit dem man Fehler vorhersagen kann, bevor die Anlage stillsteht. Mit OSIsoft wiederum steht bei Schneider Electric ein Tool zur Verfügung, mit dem Industrieunternehmen auf der Grundlage des besten Datenrepositories der Welt ihre Performance verbessern können. Performance Intelligence nennen wir die Verbindung von Domain-Know-how mit Artificial Intelligence. Damit bekommen unsere Kunden einfachen Zugriff auf sehr mächtige Werkzeuge.“

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