Luehr Filter setzt bei der Anlagendokumentation auf Logi.Doc
Alles nach Plan
Luehr Filter ist spezialisiert auf den Bau von Rauchgasreinigungs-Anlagen. Seit knapp 20 Jahren baut das Unternehmen nicht mehr nur Anlagen für die Glas-, Zement-, Eisen- und Gießereiindustrie, sondern ist auch im Kraftwerksektor aktiv. Damit entstand die Anforderung einer Vorgabedokumentation. Seitdem setzt Luehr Filter für die Erstellung von systemneutralen Funktionsplänen nach verschiedenen Normen das Dokumentationswerkzeug Logi.Doc des österreichischen Software-Anbieters Logi.cals ein.
 Ersatzbrennstoff-Kraftwerk der EAB (heute PreZero Energy) in Bernburg/Saale mit einer Rauchgasreinigungs-Anlage von Luehr Filter
Ersatzbrennstoff-Kraftwerk der EAB (heute PreZero Energy) in Bernburg/Saale mit einer Rauchgasreinigungs-Anlage von Luehr FilterBild: Luehr Filter GmbH

Über 300 Menschen arbeiten in den drei Werken am Stammsitz des Familienunternehmens in Stadthagen bei Hannover. Weitere Fertigungsstätten gibt es in Europa und Übersee. Alle Bauteile für die Luftreinhaltungs-Anlagen werden inhouse entwickelt und produziert. Die größten Anlagen, die Luehr Filter baut, haben Hochhausgröße mit einem Rohrleitungs-Durchmesser von 5m bei einem Absaugvolumen von 2,5Mio.m³.

Mit dem Einstieg in die Rauchgasreinigung für Kraftwerke wurde es notwendig, Funktionspläne zur Beschreibung und Dokumentation der Funktion und des Verhaltens einer Anlage zu erstellen. „Das haben wir damals mit Excel gemacht und teilweise stundenlang an einem Plan gesessen“, berichtet Rainer Pohlenz, Leiter EMSR-Technik bei Luehr Filter, „bis wir über eine Marktrecherche auf Logi.Doc gestoßen sind“.

 Alter Plan: Einzelplan Temperaturmessung in einer Kalklöschanlage
Alter Plan: Einzelplan Temperaturmessung in einer KalklöschanlageBild: Logi.cals GmbH

Anforderungen in der Kraftwerkstechnik

Aber auch das war anfänglich noch nicht zu 100% zufriedenstellend, weil das Tool zu der Zeit den Schwerpunkt noch bei der Industrienorm IEC61131-3 hatte und die VGB-Richtlinien aus dem Bereich der Kraftwerksdokumentation nicht berücksichtigt waren. Sehr bald wurden jedoch zahlreiche wichtige Features implementiert, z.B. im Bereich der eindeutigen Identifizierung von Bauteilen eines Kraftwerkes nach dem Kraftwerk-Kennzeichensystem (KKS), der Vorwärts- oder Rückwärtsdokumentation oder der Darstellung von Signalkennzeichen in einem Funktionsplan. Hinzu kamen ebenfalls Online-Querverweise für die Signalverfolgung und das offene Datenbankkonzept zum Abgleich der KKS-Tags mit dem Basic- und Detail-Engineering und der SPS-Programmierung.

Schließlich fing Rainer Pohlenz an, spezielle eigene Bausteine zu entwickeln und das Look&Feel mit Hilfe von AutoCAD zu erzeugen. So entstanden die ersten Funktionspläne mit der Darstellung nach VGB, bei der die Signalflussrichtung von oben nach unten dargestellt wird und die enthaltenen Bausteine waagerecht positioniert werden. Im Zuge der Angleichung an die moderne Darstellung in der Leittechnik-Programmierung folgte der grafische Umbau: Weg von .dxf-Files hin zu Bausteinen, die über Kommentarfelder grafisch aufgebaut waren und bei denen die Signalflussrichtung von links nach rechts dargestellt wurde.

Über die Jahre ist eine umfangreiche Typical-Bibliothek mit Spezialbausteinen für den Kraftwerksektor entstanden, die mittlerweile simulationsfähig ist und an andere Unternehmen weitergegeben wird.

 Neuer Plan: Rauchgasreinigung-Automatiken
Neuer Plan: Rauchgasreinigung-AutomatikenBild: Logi.cals GmbH

Typical-basierte Pläne

Für Luehr Filter bot sich von Beginn an die typical-basierte Erzeugung von Funktionsplänen mit Hilfe des Add-Ons Logi.Bulk an, „weil die Dokumente nach VGB-Richtlinien sehr stark strukturiert sind und für jeden Sensor und Aktor ein entsprechendes Blatt vorhanden sein muss“, erläutert Dieter Goltz, CEO Logi.cals Deutschland. Nach der Erstellung von Vorlagen (Typicals) können diese unter Verwendung einer Typical- oder Loop-Liste dazu verwendet werden, automatisch Funktions- oder Logikpläne für die Einzelsteuerebene zu erzeugen. Dazu sind in den Typicals Platzhalter enthalten, die durch Ersetzungstags in den Zielplänen ersetzt werden.

„Mit Logi.Bulk generieren wir den Grundstock des Funktionsplans“, beschreibt Rainer Pohlenz seine Vorgehensweise. Wichtig ist das Add-On für ihn aber auch, um z.B. Grenzwert- und Sollwert-Listen aus dem Funktionsplan zu ziehen. „Über einen festgelegten Signalaufbau haben wir Filtermöglichkeiten, um Parameter, Soll- und Grenzwerte sowie Limits zu ziehen. Damit ist der Pflegeaufwand der Dokumentation deutlich reduziert“, so der Software-Experte.

Das Erstellen von Funktionsplänen ist eine wesentliche Aufgabe im Basic- und Detail-Engineering. Logi.Doc ist dabei die Grundlage für die Abstimmung zwischen der Verfahrenstechnik und der Leittechnik-Programmierung. Bei kleineren Anlagen, die ohne eigene Funktionsplan-Dokumentation auskommen, wird die Programmierung der Leittechnik ohne Zwischenschritt direkt in das Leittechnik-System übertragen. Bei großen Anlagen besteht jedoch ein deutlich höherer Abstimmungs- und Vorgabeaufwand. „Dafür ist das Funktionsplan-Tool das beste Werkzeug, denn bei verbalen Beschreibungen hat der Programmierer immer Interpretationsspielraum“, erläutert Pohlenz. Sollten nach dem Umsetzen eines Funktionsplans in der Leittechnik Änderungen notwendig werden, werden die Pläne in Logi.Doc revidiert und dienen anschließend als Arbeitsgrundlage auf der Baustelle. Änderungen und Anpassungen, die sich dort ergeben, werden zu Rotstrich-Eintragungen und je nach Vertragslage ebenfalls rückdokumentiert.

Das intelligente PDF

Dank der Möglichkeit, in der erzeugten PDF-Dokumentation ohne zusätzliche Software navigieren zu können, muss der Kunde nicht mehr durch einzelne Seiten blättern. Neben dem Inhaltsverzeichnis, über das eine einfache Navigation möglich ist, lässt sich auch über Online-Querverweise in den Plänen vorwärts und rückwärts springen. „Früher mussten wir einen ganzen Tag für die Erstellung der Dokumentation reservieren. Das iPDF reduziert nicht nur den Aufwand dafür, sondern ist auch für den Leittechnik- und SPS-Programmierer sehr hilfreich.“ sagt Rainer Pohlenz, der seinerzeit wesentlichen Anteil daran hatte, dass diese Funktion in Logi.Doc eingebaut wurde.

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