Gleichstrom-Kabel und bleifreies Kabelverschraubungszubehör

Zukunft vorwegnehmen

Zur Hannover Messe 2022 stellt Verbindungstechnik-Spezialist Lapp neue Lösungen vor, bei denen Energieeffizienz und Nachhaltigkeit im Mittelpunkt stehen. Hierzu gehört ein neues Gleichstrom-Kabel für Gebäude und Industrieanlagen sowie bleifreies Kabelverschraubungszubehör, das bereits jetzt den zu erwartenden verschärften Anforderungen der europäischen RoHS-Richtlinie entspricht. Mit beiden Entwicklungen möchte das Unternehmen bereits heute Lösungen für Marktanforderungen von morgen anbieten.
Bild 1 | Das Gleichstrom-Kabel Ölflex DC Grid 100 eignet sich zum Anschluss von Gebäuden und Industrieanlagen
Bild 1 | Das Gleichstrom-Kabel Ölflex DC Grid 100 eignet sich zum Anschluss von Gebäuden und IndustrieanlagenBild: U.I. Lapp GmbH

Die Energiekosten steigen rasant. Für die Industrie stellt sich zunehmend die Frage, welche Einsparungen noch möglich sind. Eine Lösung wäre die konsequente Umstellung auf Gleichstrom. Durch ein gleichstrombasiertes Smart Grid für die Industrie würde das bisher notwendige Hin- und Herwandeln zwischen Gleich- und Wechselstrom entfallen, und es könnten laut Expertenmeinung 20 und mehr Prozent Energie eingespart werden. Auf der Hannover Messe präsentiert Lapp deshalb die Ölflex DC Grid 100, ein Gleichstrom-Kabel zum Anschluss von Gebäuden und Industrieanlagen.

Dieses eignet sich zur Errichtung energiesparender DC-Netze in industriellen Anlagen im Niederspannungsbereich, beispielsweise zur Verwendung an Steuerungsanlagen, Motoren und Frequenzumrichtern. Das flexible, erdverlegbare Gleichstrom-Kabel mit Farbcode nach EN 60445 besitzt, dank eines feindrähtigen, flexiblen Leiteraufbaus gute Verlegeeigenschaften. Es kann in trockenen, feuchten und nassen Umgebungen verwendet werden und hält hohen, mechanischen Belastungen stand. Es ist entweder direkt erdverlegbar oder kann offen in Kabelpritschen geführt werden.

Lapp engagiert sich für integrierte Lösungen im Bereich der Kabel- und Verbindungstechnologie, beispielsweise in der Entwicklung von gleichstromtauglichen Verbindungslösungen. Als vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderter Partner im Projekt DC-Industrie2 erforscht das Unternehmen aktuell die Langzeitstabilität von Isolationsmaterialien für Kabel und Leitungen. Aktuell befindet sich im DC-Portfolio des Anbieters auch die Ölflex DC 100 mit neuer Farbcodierung der Adern nach der 2018 aktualisierten Norm DIN EN 60445 (VDE 0197) für Gleichstromleitungen. Weitere Leitungen sind die Ölfex DC Servo 700 für stationäre und die Ölflex DC Chain 800 aus TPE für bewegte Anwendungen, die DC-Roboterleitung Ölflex DC Robot 900 mit der Aderisolation aus TPE und einem Mantel aus PUR sowie die halogenfreie, hoch flammwidrige Einzeladerleitung Ölflex DC ESS SC für Gleichstromanwendungen bis 1,5 kV für den Einsatz in Energiespeichersystemen (ESS).

Neues Skindicht-Portfolio

Um Nachhaltigkeit geht es beim neuen Skindicht-Portfolio von Lapp. Hintergrund: Die EU-Kommission arbeitet an neuen Materialvorschriften in der europäischen RoHS-Richtlinie (Restriction of Hazardous Substances). Experten gehen davon aus, dass in dieser Richtlinie künftig der Einsatz von Blei in Kupferlegierungen, wie beispielsweise bei der Herstellung von Kabelverschraubungen, verboten wird. Bisher galt dafür eine Ausnahmeregelung, die einen Anteil von bis zu 4% zuließ. Hinzu kommt, dass auch in der REACH-Chemikalienverordnung (Regulation concerning the Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) Blei auf der Liste der „Substances of very high concern“ (SVHC, besonders besorgniserregende Stoffe) steht, die künftig verboten werden könnten. RoHS und REACH stammen zwar aus Europa, haben aber auch einen großen Einfluss auf internationale Richtlinien, die zum Beispiel in den USA (California List) oder in China (RoHS Directive) gelten.

Als Ergänzung zu den gängigen Modellen Skintop MS-M und MS-SC-M sowie die Gegenmutter Skindicht SM-M in den metrischen Größen M12 bis M63 stellt Lapp nun seine Skindicht Bleifrei-Serie vor. Dabei geht es um Blindstopfen, Reduzierungen, Erweiterungen, Adapter oder Gegenmuttern, denn auch das Zubehör für Kabelverschraubungen muss langfristig komplett ohne die Zugabe von Blei hergestellt werden. Alle bleifreien Produktalternativen mit Kennzeichnung LF in der Artikelnummer verfügen über die gleichen Produkteigenschaften wie die bisherigen Varianten mit geringem Bleizusatz.

Zum neuen Skindicht-Portfolio gehört der Adapter mit dem Namen Skindicht MA-PG/M. Er ermöglicht den einfachen Übergang von einem PG-Außengewinde auf ein metrisches Innengewinde, hält Temperaturen bis +200 °C stand und ist für Gewindegrößen bis PG36 beziehungsweise bis M40 ausgelegt.

Zum Verschließen einer nicht belegten metrischen Gewindebohrung am Gehäuse gibt es den Blindstopfen mit dem Namen Skindicht BL-M (bis +200 °C) und die Skindicht BL-M Hex (bis +100 °C). Beide halten hohen chemischen und mechanischen Belastungen stand, sind auch für den Außenbereich geeignet und erlauben die einfache Montage mittels Schlitz-Schraubendreher oder Gabelschlüssel. Bei der BL-M Hex ermöglicht ein montierter O-Ring den flüssigkeitsdichten Verschluss der Gewinde-/Durchgangsbohrung und damit eine höhere Schutzart (bis zu IP 68).

Mit der Reduzierung MR-M kann der Größenunterschied zwischen dem Anschlussgewinde einer Kabelverschraubung und der Gewindebohrung in einem Gehäuse korrigiert werden. Sie gewährt Flexibilität bei der Auswahl einer Kabelverschraubung, da diese von der Gewindebohrung des Gehäuses nun unabhängig ist. Dazu gibt es auch die Variante Skindicht MR-M Hex mit montiertem O-Ring, der die höhere Schutzart (IP) ermöglicht.

Bei einer metrischen Kabelverschraubung, deren Anschlussgewinde größer ist als die vorhandene Gewindebohrung, kommt die Erweiterung Skindicht ME-M zum Einsatz. Sie korrigiert den Größenunterschied und hält ebenso hohen chemischen und mechanischen Belastungen stand.

Bei Anwendungen, in denen elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) wichtig ist, kommt die Gegenmutter Skindicht SM-PE-M zum Einsatz. Sie ermöglicht die Kontaktierung eines beschichteten Gehäuses zum Schutz vor elektromagnetischen Störungen und zum Potenzialausgleich. Die Kontaktierung wird beim Anziehen der Gegenmutter durch die Schneidkanten erzielt, die die beschichtete Oberfläche des Gehäuses ankratzen.

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