Nachhaltigkeit rückt auf der CEO-Agenda auf Platz eins
Führungskräfte halten Nachhaltigkeit in den nächsten fünf Jahren für so wichtig wie das bisherige Top-Thema Digitalisierung, viele erachten sie sogar als noch essenzieller, so eine gemeinsame Studie des Futurist Institute for Sustainable Transformation, des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und der Unternehmensberatung Bain & Company. Die Unternehmen, die an der Studie teilgenommen haben, wollen im Schnitt bis 2035 Klimaneutralität erreichen.

Zeitenwende in Deutschlands Chefetagen: Nachdem dort bis 2019 die Digitalisierung und danach die Pandemie höchste Priorität gehabt hatten, rückt nun das Thema Nachhaltigkeit ganz nach oben auf die Agenda. Dieses halten neun von zehn Top-Führungskräften in den kommenden fünf Jahren für mindestens genauso wichtig wie die Digitalisierung, nahezu die Hälfte erachtet es sogar als bedeutender. Das zeigt die Studie „Von Haltung zu Handlung: Wie Deutschlands CEOs ihre Unternehmen auf Nachhaltigkeitskurs bringen“, die das Futurist Institute for Sustainable Transformation, das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und die internationale Unternehmensberatung Bain & Company gemeinsam erstellt haben. Sie basiert auf ausführlichen Gesprächen mit mehr als 20 Topmanagerinnen und -managern im Vorfeld der 26. UN-Klimakonferenz in Glasgow.

Aus Sicht von Futurist-Co-Gründer und Geschäftsführer der Werte-Stiftung Dr. Tobias Raffel, der zusammen mit Bain-Partner Dr. Stefan Wörner Autor der Studie ist, verfolgen die Führungskräfte klare Ziele: „Deutschlands CEOs wollen ihre Unternehmen klimaneutral machen und entlang der drei Nachhaltigkeitsdimensionen Umwelt, Soziales und Governance transformieren.“ Im Durchschnitt benötigen die Studienteilnehmer noch 14 Jahre, um zumindest ihre eigenen CO2-Emissionen auf eine Nettonull zu reduzieren, zum Teil streben die Unternehmen auch eine Dekarbonisierung der gesamten Wertschöpfungskette an. Prof. Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, zeigt sich zuversichtlich über die ehrgeizige Zielsetzung: „Die Unternehmen fangen nun an, Nachhaltigkeit strategisch anzugehen, um ihre ‚Licence to operate‘ zu erhalten, einen Mehrwert für die Gesellschaft zu schaffen und sich neue Chancen zu erschließen. Entscheidend ist dabei, dass wirtschaftliche Entwicklung innerhalb des sicheren Rahmens der planetarischen Grenzen stattfindet.“

Nachhaltige Produkte versprechen zusätzliche Umsätze

Bei der Transformation bereitet den Top-Führungskräften vor allem ein fundamentaler Zielkonflikt Kopfzerbrechen: In den Augen von 60 Prozent der Befragten sind Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit noch Gegensätze. Bain-Deutschlandchef Walter Sinn ist jedoch überzeugt, dass sich dieser Konflikt in den kommenden Jahren auflöst: „Etliche Nachhaltigkeitsprojekte gerade im Bereich Umwelt rechnen sich bereits. Und die Wirtschaft steht erst am Anfang der ökologischen Transformation. In Zukunft werden die Kosten für mehr Nachhaltigkeit in vielen Fällen deutlich geringer sein als die Chancen auf zusätzliche Umsätze. Wenn Unternehmen gerade die Dekarbonisierung strategisch klug aufsetzen, werden sich ihnen bereits in dieser Dekade bedeutende Wachstumschancen bieten.“

Entschlossenes Handeln ist gefragt

Mit den bisherigen Fortschritten auf dem Weg hin zu mehr Nachhaltigkeit geben sich die Studienteilnehmer nicht zufrieden. Auf einer Skala von 1 bis 10 (komplett unzufrieden bis sehr zufrieden) bewerten sie die bisherigen Handlungen in ihrem Unternehmen im Schnitt mit 5,6. Positiver sieht es bei der Haltung und damit der Sensibilität für den anstehenden Wandel aus. Hier liegt der Durchschnittswert bei 7,1. „Nur mit der richtigen Haltung können Unternehmen nachhaltig wirtschaften“, betont Co-Autor Stefan Wörner, der bei Bain das Thema Sustainability & Corporate Responsibility in der DACH-Region verantwortet. Nun sei entschlossenes Handeln gefragt. „Firmen werden nur dann wirklich nachhaltiger, wenn die entsprechenden Schritte Teil ihrer Unternehmensstrategie und die Nachhaltigkeitsziele in die operative Steuerung integriert sind“, so Wörner. Bislang verzahne erfahrungsgemäß erst jedes zehnte Unternehmen konsequent beide Strategien.

Bain & Company Germany

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