RFID-Komponenten für Sicherheitsanwendungen
Manipulative Eingriffe verhindern
Die durch die Norm EN ISO 14119 verstärkte Nachfrage an neuen, sicheren Lösungen für die industrielle Automatisierung kann Pizzato Elettrica auch in 2020 gut bedienen. Im nächsten Schritt in der knapp 40-jährigen Firmengeschichte wurden gleich mehrere Produkt-Serien am Markt eingeführt. Sie alle erfüllen die hohen Standards im Bereich der Maschinensicherheit. Im ersten Teil werden die Sicherheitssensoren der Serie ST näher beleuchtet. Teil 2 im kommenden Heft rundet das Angebot mit der Vorstellung neuer Sicherheitsschalter und zahlreicher weiterer Komponenten ab.

RFID-gestützte Komponenten (RFID = Radiofrequenz-Identifikation) sind, insbesondere durch die Bestätigung der neuen Normenlage, bei Sicherheitsanwendungen Stand der Technik. Interessant ist bei dieser Technologie die wirksame Vermeidung manipulativer Eingriffe bei Sicherheitsvorrichtungen. Ermöglicht wird das, anstelle einer mechanischen Schlüsselkodierung, mit der induktiven Übertragung eines einzigartigen Betätiger-Codes auf den Sensor, der seinerseits das Abschaltsignal an das Safety-Modul oder an eine sicherheitsgerichtete Steuerung sendet.

Kompakte sichere Sensoren für vielfältigen Einsatz

Bei vielen Maschinen und Anlagen entstehen gefahrbringende Bewegungen, welche nach einem Stopp- Befehl weiter nachlaufen. Andere kommen zum Stillstand, noch bevor ein Werker den Gefahrenbereich erreichen kann. Für Letztere werden mittlerweile sehr häufig Standard-Schalter gegen RFID-Sensoren ausgetauscht. Die Sicherheitssensoren der Serie ST aus dem Hause Pizzato sind hierfür prädestiniert, denn die redundante, leistungsfähige Elektronik ist verschleißfrei und unempfindlich gegen Schock und Vibration. Sie gewährleistet also auch unter widrigen Umweltbedingungen eine lange Lebensdauer. Die Serie ST G, die sich durch ein kompaktes symmetrisches Gehäuse mit 22mm Bohrlochabstand und eine beidseitig sichtbare mehrfarbige LED-Anzeigeeinheit auszeichnet, kann somit in fast allen Situationen einfach und schnell installiert werden.

Lösung für erweiterte Temperaturbereiche und unterschiedliche Zustände

Bestehen erweiterte Temperaturbereiche, etwa in Kühl- oder Outdoor-Anwendungen? Pizzato Elettrica bietet für diese Geräteklasse eine Technologie mit Leistungsdaten, die von -35°C bis +85°C konstant bleiben. Die Schutzarten IP 67 und IP 69K sind ebenfalls erfüllt. Damit deckt ST-G auch obige Einsatzfälle ab. Müssen unterschiedliche Zustände überwacht werden, etwa den Schiebetor-Status AUF/ZU oder die vier Positionen eines Maschinen-Drehtellers oder Werkzeug-Revolvers, löst der Anbieter das Problem mit der Multi-Tag-Funktion. Der ST-G RFID-Sensor mit Multi-Tag-Funktion wird wahlweise mit mehreren Betätigern und hoher Kodierungsstufe ausgeliefert, die alle direkt zugeordnet sind und sicher erkannt werden. Die interne Firmware des Sensors kann ab Werk so programmiert werden, dass sie bis zu 16 Codes speichert und für jeden einzelnen erkannten Betätiger ein separates Verhalten des Sensors vorsieht. Sie überträgt über ein serielles Signal die Information des Betätigers, der sich gerade vor dem Sensor befindet. Dieses Signal kann beispielsweise an eine SPS gesendet und dort verarbeitet werden, um komplexe Maschinenfunktionen zu steuern. Bei der Ablage hydraulisch bewegter Betonpumpen, Feuerwehrleitern, Liftern, etc., bei denen zwangsläufig größere Bewegungstoleranzen entstehen, sind zudem Betätiger mit größerem Schaltabstand lieferbar. Für Anwendungen mit schwierigen Platzverhältnissen, z.B. bei Pick-to-Light-Anlagen, sind auch sehr schlanke Betätiger erhältlich. Dadurch reduziert sich der Montageaufwand und ein Eingreifen wird verhindert. Die RFID-Serie ST-G ist durch den TÜV-Süd, UL, CSA und ECOLAB auf die relevanten Normen zertifiziert.

Dachzeile: Interview mit Giuseppe Pizzato, CEO Pizzato Elettrica

Überschrift: „Konkretes Anwendungs-Know-how ist wichtig“

Die Unternehmensgruppe Pizzato Elettrica ist durch ihre technisch ausgereiften Lösungen in der Automatisierungswelt ein fester Begriff. Markt-Präsenz und kontinuierliches Wachstum begründeten die Erweiterung der Produktionskapazitäten in 2019. Bereits in 2020 erfolgte die Markteinführung von drei neuen umfangreichen Produktserien. Eine nicht alltägliche Strategie, vor allem angesichts der derzeitigen Wirtschaftskrise. Das SPS-MAGAZIN hat Giuseppe Pizzato, einen der beiden CEOs, dazu befragt.

SPS-Magazin: Herr Pizzato, auf welchem Fundament basiert der Erfolg Ihres Unternehmens?

Giuseppe Pizzato: Unsere Unternehmenskultur ist geprägt von einem hohen Innovationsgrad und Qualitätsanspruch, Kundennähe und Zuverlässigkeit. Der daraus resultierende Erfolg beflügelt nicht nur unsere Mitarbeiter, sondern spiegelt sich auch in den zukunftsorientierten Investitionen wider. So steht uns seit letztem Jahr ein zusätzlicher mehrgeschossiger Doppel-Komplex mit 25.000m² Nutzfläche und hochmodernem Equipment für die Prozesse nach den Konzepten von Industrie 4.0 zur Verfügung. Das sichert uns die Flexibilität, mit herausragenden Entwicklungen unsere weiter wachsenden Märkte bedienen zu können.

SPS-Magazin: Das hört sich nach ambitionierten Zielen an…

Pizzato: Sicher. Der neue Komplex ist eine Investition in die Zukunft von Pizzato und schafft Raum und Möglichkeiten, unseren Kunden mit immer besseren und schnelleren Dienstleistungen hilfreich zur Seite zu stehen. Die dazu erforderliche Nähe stellen wir durch eine weltweite Vertriebsorganisation sicher. Ein konsequenter Schritt hierfür war die Gründung von Niederlassungen in Deutschland, Frankreich, Spanien und den USA zur Koordination der Vertriebsaktivitäten und Betreuung der Kunden vor Ort.

SPS-Magazin: Pizzato ist ein führendes Unternehmen, unter anderem auf dem Gebiet des Arbeitsschutzes. Wie kam es dazu?

Pizzato: Die Firma Pizzato Elettrica gehörte zu den ersten italienischen Unternehmen, die Produkte für die industrielle Arbeitssicherheit entwickelten. Im Laufe der Zeit erweiterte sich das Produktportfolio, welches durch Zertifizierungen die Qualität der Produkte und Geschäftsprozesse bescheinigt bekam, was unseren Qualitätsanspruch untermauerte. Das Resultat war ein stetig steigender Zuspruch der Kunden – weltweit.

SPS-Magazin: Welche Risiken sehen Sie aktuell in der Umsetzung neuer Produkt-Ideen?

Pizzato: In der Industrieautomatisierung ist der Bedarf an innovativen Lösungen ungebrochen hoch – insbesondere im Zuge neuer Normenlagen. Komfortablerweise sind diese mit vielen Details ausgestattet, die es uns erlauben, die Anforderungen unserer Kunden mit neuen Technologien und Vorgehensweisen sehr gut zu kombinieren. In persönlichen Gesprächen eröffnen sich immer neue Applikationswelten, aus denen sich die Ideen und damit die Bedarfe generieren. Die Umsetzung ist dann eher pragmatisch.

SPS-Magazin: Zur Umsetzung ist Know-how wichtig…

Pizzato: Das Unternehmen verfügt über umfassende Kenntnisse in allen relevanten Technologiebereichen. Zum Verständnis der Welt der industriellen Sicherheit ist allerdings auch die Kenntnis vieler konkreter Anwendungen aus direkten Kundenkontakten wichtig. Nicht alle Unternehmen können auf ein derart umfangreiches Know-how innerhalb des eigenen Unternehmens zurückgreifen. Daher ist unsere Fähigkeit, technologisch führende Produkte zu entwickeln, sehr stark ausgeprägt. Das macht Pizzato besonders. Der letztliche Mehrwert, über applikationsbezogen kombinierbare Funktionen und Eigenschaften eines Produktes eine Effizienzsteigerung zu erreichen, macht einen großen Teil des Erfolges aus.

SPS-Magazin: Zählen zu den Ideen auch Lösungen mit RFID-Technologie?

Pizzato: Pizzato Elettrica erkannte bereits früh die Vorteile dieser Technologie und sah RFID konsequent im Produkt-Portfolio vor, welches im Laufe der Jahre kontinuierlich erweitert wurde. Wir sehen Transponder bei den sicherheitsgerichteten Schaltern und einem erforderlichen PLe als derzeit alternativlos und haben seither entsprechende Produkte auf technologisch höchstem Niveau entwickelt. Ich denke beispielsweise an die Serie ST mit integrierter Vor-Ort-Diagnose und EDM. Fortführend kamen sicherheitsgerichtete Zuhaltungen, wie die Serien NG und NS hinzu, die sich gleichwohl recht erfolgreich verkaufen – eben weil sie technologisch führend sind. Dies allerdings nicht nur wegen der Transponder-Technologie, sondern auch wegen des Zusatznutzens für den Kunden, der sich aus den weiteren, bereits integrierten Funktionen wie EDM, vergrößerte Einführtoleranz, Multi-Tag, uvm. einstellt. Innovation ist gegenüber RFID nicht redundant.

SPS-Magazin: Viele Ideen können auch anstrengend sein…

Pizzato: Ja, das ist anspruchsvoll und den Marktanforderungen entsprechend richten wir das Unternehmen auch aus. Es gibt viele Belege für die Innovationskraft und Flexibilität von Pizzato. Denken Sie nur an den kürzlich eingeführten Sicherheitsgriff P-Kube Krome, ein komplett neues Produkt, das so bislang nicht erhältlich war und mit diversen Awards ausgezeichnet wurde.

SPS-Magazin: Die Produkte sind ja durch ihr hohes Qualitätsniveau bekannt. Wie stellen Sie die Prozessketten sicher?

Pizzato: Wir haben im Unternehmen eine große Entwicklungs- und Fertigungstiefe, um weitestgehend unabhängig zu sein. Das sichert uns ein hohes Qualitätsniveau und versetzt uns in die Lage, die Prozesse außergewöhnlich schnell an die genauen Kundenanforderungen zu adaptieren. Viele Millionen Produktvarianten, darunter tausende Speziallösungen nach Kundenspezifikation, werden so entwickelt und gefertigt. Die kontinuierlich steigende Nachfrage bestätigt diesen Weg.

Teil 2 in Ausgabe 13 beinhaltet u.a. neue Schalter mit Zuhaltung, Gehäuse und Griff-Systeme.

Pizzato Elettrica s.r.l.

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