Interview mit Armin Schlenk, Yaskawa Drives & Motion



„Mit 16 Vertriebs-Landesorganisatoren decken wir die EMEA-Region gut ab, um lokal die Kunden zu bedienen.“ Armin Schlenk leitet das Marketing bei Yaskawa in Europa.

Auch in Zeiten von Industie 4.0 ändert sich nicht alles“

Yaskawa hat sich über gut einhundert Jahre vom Motorenhersteller zu einem Industrieausrüster entwickelt, der im Rahmen seines Portfolios alle entscheidenden Bauteile der modernen Automatisierung liefern kann. Welche Vorteile daraus für den Kunden entstehen erklärt Armin Schlenk, Marketingleiter von Yaskawa in Europa, im Gespräch mit dem SPS-MAGAZIN.

SPS-MAGAZIN: Yaskawa ist als Motor-Company gestartet, heute aber als Lösungsanbieter aufgestellt. Welche Rolle spielt noch das Komponentengeschäft? Welche Technologiefelder müssen heute bereits von einem Automatisierungsanbieter wie Yaskawa besetzt sein?

Armin Schlenk: Yaskawa hat vor 105 Jahren mit der Entwicklung von Motoren für den Bergbau begonnen. Seither spielt der Elektromotor eine zentrale Rolle im Produkt Portfolio. Sei es der heutige Servomotor selbst mit einer der höchsten Leistungsdichte auf dem Markt oder die Regelung von Motoren mittels Servo- und Frequenzumrichterantrieben mit beeindruckenden Funktionen wie Autotuning. Damit beherrscht Yaskawa als einer der wenigen Hersteller in der Automatisierungindustrie die Technologie vom Motor inklusive Geber über den Regler bis zur Steuerung. Bei dem angesprochenen Komponentengeschäft ist auch das Vipa-Controls-Portfolio zu erwähnen. Die S7-kompatible 300S, die das Slio-SPS-System, die Slio-I/OBaugruppen sowie die Micro SPS tragen einen großen Anteil zu diesem Komponentengeschäft bei. Es sind einzelne Komponenten, die ihre volle Leistungsfähigkeit im System ausspielen. Diese Lösung wird von vielen unseren OEM Kunden seit Jahren so eingesetzt.

SPS-MAGAZIN: Welche Lösungskompetenz und Anwendungskompetenz fordert der Kunde ein?

Im Rahmen unserer Wachstumsstrategie als Lösungsanbieter haben wir uns sowohl organisatorisch als auch vom Portfolio so aufgestellt, dass wir die einzelnen Branchen und Applikationen besser bedienen können. Marktmanager für einzelne Branchen, Produktmanager für das breite Portfolio sowie ein Team von Applikateuren unterstützen die Kunden bei der Entwicklung und Realisierung der Maschinen und Anlagen. Die Anwendungen reichen von Aufzug, Kran, Maschinenantrieben, in der Textil-, Kunststoff- oder Holzindustrie bis zu Verpackungsmaschinen. Beispielhaft sei hier die die Steuerungsplattform MP3300iec genannt, die Steuerungs-, Motion- und Robotikfunktionalität in einem System vereint und in der Programmiersprache nach IEC61131 programmiert wird. Dazu kommt das Applikationsknowhow, das in Software umgesetzt wird. Wie die Bibliotheken nach PackML für die Verpackungsindustrie.

SPS-MAGAZIN: Yaskawa versteht sich als europäischer Player. Was bedeutet das für die Entwicklung und Produktion von Antriebselementen und Lösungen?

Europäischer Player heißt einmal in den wichtigen Märkten und Regionen vertreten zu sein. Mit 16 Vertriebs-Landesorganisatoren decken wir die EMEA-Region gut ab, um lokal die Kunden zu bedienen. Dazu haben wir in der europäischen Organisation rund 400 Ingenieure für die Grundlagenentwicklung, Applikationsentwicklung und Produktentwicklung. Darunter mit unserer Tochter Profichip eine ASIC-Entwicklung, deren Produkte sowohl bei den eigenen Produkten als auch von vielen OEM’s eingesetzt werden. Dazu acht Fertigungswerke, um die Lieferketten kurz zu halten und unsere Kunden aus der lokalen Fertigung zu bedienen.

SPS-MAGAZIN: Mit welchen Stärken bzw. USPs gelingt es, sich auf dem eng besetzten Antriebsmarkt in Europa zu positionieren?

Der Schlüssel ist, dass wir schnell auf die europäischen Anforderungen reagieren können. Früher waren einige unserer Produkte mit japanischen Features ausgestattet, heute bieten wir wie unsere Marktbegleiter europäische Geräte an. Um hier als Beispiel die Sigma-7-Servofamilie zu nennen, die in Buchform, in 400V mit europäischen Steckern, Safety, Advanced Safety ausgestattet ist. Dabei aber auch die japanischen Tugenden wie Qualität und Performance beibehält. Diese Entwicklungen finden in enger Abstimmung mit dem japanischen Mutterhaus statt.

SPS-MAGAZIN: Wie wirkt sich die Digitalisierung auf das Antriebsgeschäft und auf die geforderten Lösungen aus?

Der Kern von Industrie 4.0 für Antriebe ist die Vernetzung zu ermöglichen, Daten zu liefern und individuell angesteuert zu werden. Diese Möglichkeiten stehen unter dem Begriff Industrie-4.0-Fähigkeit in immer mehr Pflichten- und Lastenheften. Für die Vernetzung bieten wir alle gängigen Schnittstellen, die Daten hierfür werden im Idealfall über eine OPC/UA-Schnittstelle bereitgestellt, die sich immer mehr zum Standard entwickelt. Ansteuerbar sind Servo-Antriebe seit je her. Wie genau und wie präzise, das macht Yaskawa aus.

SPS-MAGAZIN: Gibt es ein unterschiedliches Verständnis für die Smart Factory in Japan und in Deutschland?

In diesem Kern der Industrie-4.0-Fähigkeit unterscheidet sich Japan und Europa nicht voneinander. Beide Länder tauschen sich ja auch in verschiedenen Gremien, wie die Plattform-Industrie 4.0 über die Robot Revolution Initiative Japan regelmäßig aus. Standardisierungs-Bestrebungen werden in den Verbänden VDMA und ZVEI besprochen. Da wir in diesen Gremien aktiv sind, gestalten wir die Entwicklung mit und partizipieren daran.

SPS-MAGAZIN: Wie muss Yaskawa aufgestellt sein, um auch in Zeiten von Industrie 4.0 weiterhin erfolgreich zu sein?

Auch in Zeiten von Industie 4.0 ändert sich nicht alles. Die Nähe – oder nennen wir es Vernetzung – zu Kunden bleibt wichtig, genauso wie die Beziehung zu Lieferanten. Dort werden Produkte aufeinander abgestimmt und Schnittstellen bereitgestellt, um die individuelle Ansteuerung oder auch Rückinfo zwischen den beteiligten Geräten sicherzustellen. Auch das tiefe Wissen in der Applikation bleibt wichtig. Selbst KI wird ohne Domänenwissen nicht auskommen, bzw. darauf aufbauen. Der Erfolgsfaktor von Yaskawa in den ersten 105 Jahren, war Kundenorientierung und auf reale Bedürfnisse in der Produktion optimierte Technologie. Das wird es auch in Zukunft bleiben – dafür sind wir gut aufgestellt. Zudem ist Yaskawa mit Phoenix Contact eine Partnerschaft zur Nutzung der PLCnext Technology von Phoenix Contact bei der Entwicklung von Maschinensteuerungs- und Steuerungsplattformen der nächsten Generation eingegangen, mit denen unter der Federführung von Yaskawa das i³-Mechatronics-Lösungskonzept umgesetzt wird. Gemeinsames Ziel beider Unternehmen ist es, ein offenes und zukunftssicheres Ökosystem für die industrielle Automatisierung anzubieten. Durch die Zusammenführung von PLCnext Technology mit der bewährten Motion-Control-Engine und der robusten Controller-Hardware von Yaskawa entsteht eine Steuerungsplattform, die offen, flexibel und leistungsfähig ist.

www.yaskawa.de

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