\“Innovationen sind entscheidend für das Wachstum unseres Kunden\“

Interview mit Ramanath Ramakrishnan, Executive Vice President and Chief Technology Officer bei Eaton
Die Redaktion des SPS-MAGAZINs hatte die Gelegenheit zu einem Interview mit Ramanath Ramakrishnan. Er ist Executive VicePresident und Chief Technology Officer von Eaton und gab uns Einblicke in die gegenwärtigen Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sowie darüber hinaus. Dabei sprachen wir nicht nur über allgemeine Tätigkeiten in diesem Bereich, sondern insbesondere auch über die F&E-Aspekte des Portfolios, das Eaton für Maschinen- und Anlagenbauer bereithält.

Wie hoch sind Ihre Aufwendungen für Forschung und Entwicklung?

Ramakrishnan: Im Jahr 2012 haben wir 439Mio. US-Dollar in Forschung und Entwicklung investiert. Wichtiger als die reine Geldmenge finde ich jedoch, dass wir in Technologien investieren, die entscheidend für unsere Kunden sind. Indem wir die Megatrends verfolgen und engen Kontakt zu unseren Kunden halten, gewinnen wir Einblicke in deren Sichtweisen und Bedürfnisse. Das beeinflusst unsere Produkt- und Technologiepalette über viele Generationen hinweg und bestimmt zu großen Teilen, wie und wo wir investieren.

Können Sie uns einige Schwerpunkte Ihrer Forschungs- und Entwicklungstätigkeit verraten?

Ramakrishnan: Als Energiemanagementunternehmen entwickeln wir innovative Produkte und Lösungen, die unseren Kunden dabei helfen, elektrische, hydraulische und mechanische Energie sicher, effizient, zuverlässig und nachhaltig zu nutzen. So erfüllen wir die anspruchsvollsten Bedürfnisse der Kunden an das Energiemanagement.

Dafür führen wir bereichsübergreifend angewandte Forschung für Eatons Kernbereiche durch: Materialforschung für metallische, nichtmetallische und Nano-Materialien. Fortschrittliche Techniken für Fertigungsprozesse. Mechanische Hydrostatikgetriebe der nächsten Generation. Fortschrittliche Luftzuführungssysteme für Verbrennungsmotoren. Mechatronik, Leistungselektronik, Lichtbogenforschung mit dem Schwerpunkt Stromkreisschutz bis hin zu Systemsteuerungen, die Sensortechnik, und Betriebsdaten miteinander verbindet um somit den Energieverbrauch zu minimieren. Sei es für Nutzfahrzeuge, Flugzeuge oder ein Microgrid. Eines der großen Marktsegmente, auf das wir uns konzentrieren, ist der OEM-Maschinenbau (MOEM). Dieser Bereich macht aus der Sicht von F&E und Produktangebot einen entscheidenden Teil unserer Investitionen aus, von elektrischen bis zu elektrohydraulischen Technologien. Innerhalb dieses Segments dreht sich alles, was wir tun, um \’Lean Automation\‘, also sowohl um die Vermeidung von Verschwendung beim Design als auch um die Vereinfachung der Konnektivität und Kommunikation zwischen den Geräten. Auch bei der Minimierung der Installations- und Inbetriebnahmezeiten helfen wir, genauso wie bei der Senkung der Betriebskosten. Insgesamt sind Energieeffizienz, Zuverlässigkeit, Laufzeit und Sicherheit für Mensch und Maschine die wichtigsten Vorteile, die unsere Lösungen den Endnutzern bieten.

Wie sieht die Weltkarte Ihrer Forschungs- und Entwicklungstätigkeit aus?

Ramakrishnan: In den letzten zehn Jahren haben wir wesentlich in den weltweiten Aufbau und die Entwicklung unserer F&E- und Innovationszentren investiert. Neben den US-amerikanischen Zentren in Milwaukee, Wisconsin, Southfield, Michigan und Eden Prairie, Minnesota, von denen jedes eigene Forschungsbereiche hat, die eng auf die verschiedenen Unternehmensbereiche ausgerichtet sind, haben wir auch eine integrierte Forschungs-, Entwicklungs- und Engineering-Organisation in Indien mit einem starken Team von mehr als 1.000 Ingenieuren. Sie liegt strategisch günstig in Pune, wo viele unserer Automobilkunden angesiedelt sind. Auch unsere Produktionsstätten für den Automobil- und Hydraulikbereich sind in unmittelbarer Nähe. Vor über zwei Jahren haben wir zwei zusätzliche Zentren in Shanghai, China, eingerichtet, die sich hauptsächlich auf \’regionale Innovation\‘ konzentrieren. Im vergangenen Jahr haben wir unser jüngstes Innovationszentrum in Prag eröffnet. Hier investieren wir in großem Rahmen in ein hochmodernes Gebäude für die Mitarbeiter, die Labore und unsere Eaton University. Das Zentrum wird sich in erster Linie darauf konzentrieren, die Innovation für unsere Kunden in Europa zu beschleunigen. Der umfassende lokale Talentpool, die Nähe zu unseren Kunden und die Zahl unserer Produktionsstätten sehen wir als Wegbereiter, um das zu erfüllen. Jedes Zentrum nutzt vor Ort vorhandenes Talent und versucht, das \’Ökosystem\‘ in Form von Universitätspartnerschaften usw. bestmöglich zu nutzen.

Wir haben bereits über das Thema OEM-Maschinenbau gesprochen. Können Sie unseren Lesern ein Beispiel Ihrer Arbeit geben?

Ramakrishnan: Lean Automation ist wie gesagt weiterhin ein starker Motor, um für unsere Kunden einen höheren Nutzen der Lösungen in diesem Segment zu schaffen. Bei Lean Automation dreht sich alles um die Vermeidung von Verschwendung. Das beginnt damit, die verschiedenen \’Betriebsmittel\‘ wie Maschinen, elektrohydraulische Ventile, Leistungsschalter, Schalter, Sensoren und Relais mit so wenig Verdrahtungsaufwand und so einfachen Kommunikationsarchitekturen wie möglich zu verbinden. Zudem werden Diagnose- und Prognose-Algorithmen verwendet, die verschiedene Betriebsparameter wie Druck, Position, Temperatur, aktueller Durchfluss, Spannungs- und Frequenzabweichungen verarbeiten und so den Zustand und die Verfügbarkeit des Systems überwachen. Schlanke Konnektivität und Kommunikation bedeutet auch, dass die Design- und Inbetriebnahmezeiten so kurz wie möglich ausfallen. Wir entwickeln zudem Lösungen, um den Zustand von Motoren ohne den Einbau zusätzlicher Sensoren zur Vorhersage drohender Fehler zu überwachen. Das trägt dazu bei, die richtigen Wartungsempfehlungen auf der Grundlage des Systemzustands abzugeben. Wir bringen alles zusammen und bieten eine ganzheitliche Lösung. Das sind einige der wichtigen, fundamentalen Forschungsgebiete, die einen erheblichen Teil unserer Investitionen ausmachen.

Sie bieten also eine nahtlose Integration von elektrischen Antrieben und Hydraulik usw. Gibt es eine Software-Lösung nach dem Motto \’onesizefits all\‘?

Ramakrishnan: Aus der architektonischen Perspektive wollen wir sicherstellen, dass die Wahl, die wir treffen, die richtige ist, denn das bedingt so ziemlich alles Weitere. Stellen Sie sich die Architektur als Basis vor, auf der wir aufbauen. Wir hängen entweder das physische Produkt an – das könnte eine Ventilsteuerung sein – oder die Algorithmen, egal ob Kommunikations- oder Prognostik/Diagnostik-Algorithmen. Die Architektur ist absolut entscheidend. Und ich glaube, die große Herausforderung für uns besteht darin, eine Balance zwischen eigener und offener Architektur zu finden, sodass wir mit unseren Partnern zusammenarbeiten und sie ihre Lösungen einfach und effektiv in unser System integrieren können. Darüber hinaus bringen wir ein paar eigene Dinge mit, beispielsweise SmartWire-DT. Auch das ist übrigens eine offene Plattform: In Bezug auf MOEM und die SmartWire-DT-Technologie haben wir drei Partner, die ihre eigenen Lösungen in Form von Hardware anbieten, und wir haben eine Architektur entwickelt, mit deren Hilfe sie ihre Lösungen an unser System anschließen können.

Können Sie unseren Lesern ein Beispiel für den Nutzen von SmartWire-DT geben?

Ramakrishnan: Lassen Sie mich eine Anwendung aus der Praxis skizzieren: In Deutschland haben wir eine Lösung mit SmartWire-DT in einer Kartoffelsortieranlage in Bayern umgesetzt. Die Anlage war ziemlich komplex, ziemlich groß. 250 Antriebe für Förderbänder, Pumpen, Ventilatoren und Maschinen mussten miteinander verbunden werden. Der Lösungsanbieter untersuchte also, wie er dies auf traditionelle Art umsetzen könnte. Es wurde deutlich, dass er einen Kilometer Kabel hätte verlegen müssen. Aufgrund von SmartWire-DT und den anderen Lösungen reduzierte sich die Komplexität, und die nötige Kabellänge schrumpfte auf etwa 50m. Dank dieser Einfachheit, der schlanken Natur der Konnektivität und Kommunikation, verringert sich aber auch die Komplexität insgesamt. Der Nutzen sind geringere Kosten durch Abnahme dieser Komplexität. Die Montage geht schneller, die Inbetriebnahmezeiten reduzieren sich. Und noch wichtiger vom reinen Engineering-Standpunkt aus gesehen: Je weniger komplex eine Lösung ist, desto verlässlicher wird sie, denn sie umfasst weniger Teile. Für den Endnutzer, also für den Kartoffelsortierer, ist das die verlässlichere Lösung. Betrachtet man den Lebenszyklus hinsichtlich des Wartungsaufwands, verringert sich dieser natürlich auch, weil die Komplexität des gesamten Systems abnimmt. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie unsere Kunden als Endnutzer wirklich davon profitieren, dass wir all diese Technologien zusammenbringen und auf dieser Basis eine Gesamtlösung erstellen können.

Was ist Ihrer Meinung nach der nächste Schritt? Welche Neuentwicklungen werden wir in ein paar Jahren in Ihrem Portfolio finden können?

Ramakrishnan: Einer der entscheidenden Bereiche, auf den wir uns konzentrieren, ist Konnektivität und die Entwicklung von Lösungen mit geringem Energieverbrauch. Wir wollen sicherstellen, dass unsere Geräte hocheffizient sind und so einfach wie möglich verbunden werden können. Ein wichtiger Schwerpunkt wird auf den Algorithmen liegen, der Informationsbeschaffung. Denn letzten Endes kann jeder Daten sammeln. Die Frage ist, was man tut, um aus diesen Daten Informationen zu generieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Das ist die Funktion der Algorithmen, der Diagnose- und Prognose-Algorithmen, die wir nutzen, um für die gesamte Anlage den Energieverbrauch zu minimieren und die Laufzeit zu maximieren. Das ist weiterhin einer unserer großen Arbeitsbereiche in der Forschung und Entwicklung – auch in Zukunft. Ein anderer wichtiger Bereich ist die Verbesserung der Safety-Aspekte der Geräte. Schließlich arbeiten wir zum Großteil mit sehr starker elektrischer und hydraulischer Energie auf sehr engem Raum, da steht die Personen- und Anlagensicherheit, die diese elektro-hydraulischen Lösungen gewährleisten, bei uns stets an erster Stelle. Außerdem geht es um Einfachheit in Bezug auf die Installation. Wir sind überzeugt: Je einfacher die Hardware und die Bedienung, desto verlässlicher das System. Dinge so zu konstruieren, dass sie einfach sind, ist gar nicht so leicht. Je einfacher das Gerät funktioniert, desto mehr Arbeit ist gewöhnlich in Entwicklung und Design geflossen. Das ist ebenfalls ein starker Fokus unserer täglichen Arbeit.

Sie haben Ihre Safety-Lösung und die Konnektivität bereits erwähnt. Denken Sie daran, Safety und SmartWire-DT zu integrieren?

Ramakrishnan: Ja, wir planen, die Funktionalität der Lösung auch in SmartWire-DT zu integrieren. \’Das grüne Kabel wird gelb.\‘ Das ist ein sehr interessantes Projekt. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mehr sagen kann.

Und was meinen Sie, wenn Sie von Einfachheit sprechen?

Ramakrishnan: Einfachheit ist ein großes Thema. Bei all unseren Systemen geht es darum, dass der Endnutzer sie bequem konfigurieren kann. Einfache Nutzung, schneller Aufbau, das schafft einen Wettbewerbsvorteil für unsere Kunden. Ein modulares Design für Hard- und Software und die Vereinfachung von Konfiguration und Inbetriebnahme sind ein Bereich, in den wir eine Menge Arbeit investieren. Konfigurierbarkeit ist ein wichtiger Aspekt.

Welche Bedeutung hat für Sie die Forschung und Entwicklung für den OEM-Maschinenbau?

Ramakrishnan: Nach unserer Überzeugung ist Innovation – egal in welchem Sektor, Segment oder welcher Region – entscheidend für das Wachstum unserer Kunden, entscheidend für die Wirtschaft, entscheidend für das Wachstum von Nationen. Für uns bedeutet Innovation, \“wertvolle Neuerungen in Erträge umzuwandeln\“. Eine Neuerung ist etwas Neues für die Welt oder unsere Kunden, das einen hohen Nutzen hat, bei dem die Vorteile die Kosten aufwiegen. Das und die Fähigkeit unseres Unternehmens, dies zügig in finanziellen Nutzen umzuwandeln, verhilft unseren Kunden zum Erfolg. Und der Erfolg unserer Kunden ist unser Erfolg. Wir sind überzeugt davon, dass Innovation sowohl für unsere Kunden als auch für die Volkswirtschaften weltweit absolut entscheidend ist, und wir wollen stets an der Spitze der Entwicklung innovativer Energiemanagementlösungen stehen, die sicher, effizient, zuverlässig und nachhaltig sind, um die anspruchsvollsten Bedürfnisse unserer Kunden an das Energiemanagement zu erfüllen.

Eaton Industries GmbH
http://www.eaton.eu

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