01.10.2013

SoMachine 4 kommt!

"Mit dem Kunden Hand in Hand zur Lösung"

Über die Anforderungen an den Maschinenbau, über Engineering und Trendthemen sprachen wir mit Jean- Marie Amann, Vice President Sales bei Schneider Electric. Dabei gab er uns exklusiv vorab einen kleinen Einblick in die Version 4 von SoMachine, die zur SPS IPC Drives vorgestellt wird.


Bild: Schneider Electric GmbH

Welche Anforderungen sehen Sie insbesondere für den Maschinenbau?

Amann: Unsere OEMs sind von ihren Kunden ständig herausgefordert Innovationen zu bieten. Für uns bedeutet dies, dass wir den Maschinenbauern die richtige Unterstützung geben müssen, damit sie die Innovation ihrer Maschinen und damit ihre Position am Weltmarkt weiter ausbauen können. Die Engineering-Plattform spielt für uns dabei eine entscheidende Rolle, denn es wird in Zukunft noch mehr darum gehen, innovative Maschinen zu realisieren ohne die Engineering-Anteile zu erhöhen. Automatisieren und das Engineering vereinfachen ist hier die Devise. Das ist kurz gesagt die Philosophie der Engineering-Plattform SoMachine.

Was sind da so die herausragenden Innovationen, die Sie in Ihren Produkten unterstützen?

Amann: Letztendlich geht es immer darum, die Maschinen leistungsfähiger, also vor allem schneller und genauer zu machen. Dafür gibt es viele Ansätze: Wir bieten innovative Lösungen im Bereich Motion Control und helfen unseren Kunden, die Integration mechatronischer Lösungen weiter zu entwickeln. Stichwort: integrierte, intelligente Motoren - mit denen man Servoachsen mit der dazugehörigen Intelligenz sehr kompakt in die Maschine eindesignen kann. Zudem bieten wir Linearachsen und Pick and Place-Roboter zur direkten Integration in die Software einer Maschine. Auch das Thema Safety ist ein wichtiges Feld der Innovationen und Bestandteil unserer Steuerungstechnik. Nicht zuletzt auch das Thema Visualisierung: Es wird immer mehr darum gehen, diese Visualisierung zu gestalten, wie wir heute ein iPad bedienen mit Funktionen wie Wischen, Zoomen usw. Das sind nur einige Beispiele an Themen, bei denen wir unsere Kunden unterstützen.

Können Sie die Funktion Ihrer Plattform SoMachine einmal näher erläutern?

Amann: Die Basis jeder Automatisierungslösung bei Schneider Electric ist unsere skalierbare Hardware, mit der man jede Art von Maschinen - von einfachen über modulare bis hin zu hochkomplexen Maschinen - realisieren kann. Hier kann der Anwender aus einer breiten Palette wählen. SoMachine ist das dazugehörige Engineering-Tool für den gesamten Lebenszyklus einer Maschine, also vom Design, über die Programmierung und Visualisierung, bis hin zur Inbetriebnahme und zum Service. Der Clou jedoch ist: Mit unseren Tested, Validated and Documented Architectures erhält der Anwender vorgefertigte Lösungen, mit denen man sehr viel Zeit gewinnen kann.

Können Sie die Palette an Hardware einmal beschreiben?

Amann: Wir können mit SoMachine zunächst einmal unsere Frequenzumrichter programmieren. Bei dieser Automatisierungsarchitektur übernimmt ein Frequenzumrichter nicht nur die Antriebsfunktion, sondern steuert auch eine kleine Einheit komplett. Darüber hinaus werden mit SoMachine HMIs mit integrierter SPS programmiert. Wir können die klassischen SPS-Baureihen programmieren - das sind die M238, M258, der Lexium Motion Controller. Und wir können natürlich mit SoMachine Motion das komplette Portfolio aus dem ehemaligen Elau-Segment programmieren. Also kurz gesagt: ein Tool - viele Möglichkeiten. In Nürnberg werden wir die Version 4 von SoMachine vorstellen, die noch mehr Plattformen bedienen wird.

Maschinenbauer haben gelernt, ihre Maschinen modular aufzubauen, um so den individuellen Kundenanforderungen quasi aus dem Standard heraus gerecht zu werden. Unterstützt SoMachine dazu passend einen modularen Entwicklungsansatz?

Amann: Auf jeden Fall. In unserer Software gibt es die Möglichkeit, die verschiedenen Maschinenmodule zu definieren, zu verwalten und zu programmieren, um diese 'Kundenwunschmaschine' dann modular zusammenstellen zu können. Je nach- dem wie die Maschine zusammengestellt wird, nimmt die Software sich automatisch diese Module. Das sehen wir besonders im Bereich der Verpackungsmaschinen sehr oft und wir unterstützen solche Prozesse mit.

Der Engineering-Aufwand für die Maschinenbauer steigt. Welche Lösungen bieten Sie hier Ihren Kunden?

Amann: Ich habe das Konzept der TVDAs (Tested, Validated and Documented Architectures) bereits erwähnt. TVDAs sind vorgefertigte Lösungen, die aus einzelnen Bausteinen zusammengefügt werden. Diese Lösungen reichen von sehr einfachen Anwendungen bis hin zu komplexen Applikationen. Im Kranbau ist das Konzept der TVDAs beispielsweise ein großer Erfolg und zwar global. Die Anwendung mag gegenüber einer hochkomplexen Verpackungsmaschine zunächst sehr einfach aussehen. Wenn man jedoch genauer hinschaut, erkennt man viele kniffelige Details - Beispielsweise im Bereich Safety, der Antriebs- und Regelungstechnik, die wir für die Anwender von SoMachine bereits als fertige Lösung zur Verfügung stellen. Kunden aus Deutschland setzen diese Lösungen ebenso ein, wie Unternehmen aus der Türkei oder China. Ein anderes Beispiel, ist die Nutzung vorgefertigter Kinematiken mit SoMachine in Robotikanwendungen, Beispielsweise für Pick-and-Place-Aufgaben in Verpackungsmaschinen. Das sind nur zwei kleine Beispiele aus einer ganzen Reihe von Anwendungen, die wir unseren Kunden vorgefertigt mit SoMachine liefern und die sie ohne weitere Lizenzkosten frei nutzen kann.

Sind dann nicht alle Maschinen im Markt irgendwann gleich?

Amann: Es gibt für all die Maschinen einen Kernprozess. Der OEM achtet sehr genau darauf, dass er diesen Kernprozess nicht aus der Hand gibt. Das respektieren wir und unterstützen unsere Kunden auch im Bereich 'Know-how-Schutz'. Was wir unseren Kunden vorgefertigt bieten, sind Bausteine, die zu Erleichterungen und Beschleunigungen im Engineering führen. 'Anti-Sway', also die Schwingungskompensation in unserem Kranbeispiel wäre so eine Erleichterung. Die Entwicklung des Krans selber, das Programm zur Bedienung usw. bleibt Sache des Herstellers.

Sie erwähnten die Einführung von SoMachine 4 zur SPS IPC Drives. Welche neuen Features können Anwender von SoMachine 4 erwarten?

Amann: Die Antriebssimulation ist ein weiterer interessanter Punkt in SoMachine - und zwar offline. Das heißt, die Maschine bzw. deren Steuerung und die Antriebe werden zunächst einmal ganz normal konfiguriert. Man kann dann die Antriebe simulieren, ohne eine reale Maschine zu haben. So können Anwender in einer sehr frühen Phase bereits Bewegungsabläufe so optimieren, dass die möglichst optimal ablaufen. Auch aus Sicht der Energieverbrauchsoptimierung ist das übrigens ein wichtiges Hilfmittel. Ein Beispiel: Während ein Servoantrieb bremst, speist er seine Energie zurück. Diesen Zeitpunkt möchte man natürlich gerne verwenden, um die gewonnene Energie aus dem Bremsvorgang anderweitig sinnvoll einzusetzen. Hier unterstützt SoMachine die Anwender in Zukunft.

Welchen Support bieten Sie Anwendern von SoMachine?

Amann: Wir unterscheiden da an sich zwei Arten von Unterstützungs-Teams. Zum einen haben wir unser sogenanntes Pre-Sales Team, also Experten, die den Kunden beim Verkauf und bei der Neukonzeption unterstützen. Sie begleiten also die ersten Schritte. Das sind Kollegen, die in unserer Struktur in großer Zahl vorhanden sind und mit viel Prozess-Know-how arbeiten. Sie kennen also beispielsweise die Krantechnologie, die NC-Technologie und die Verpackungstechnologie. Auch unsere Kompetenzen im Bereich der Robotik bauen wir immer weiter auf. Nachgeschaltet haben wir die Unterstützung unserer Kunden in der kompletten Realisierung. Das wäre dann der Bereich After-Sales. Hier haben wir starke Applikations-Teams sowohl zentral in Marktheidenfeld, wo die Labore genutzt werden können, um Anwendungen zu entwickeln und zu testen, als auch vor Ort bei unseren Kunden, um gemeinsam Lösungen zu realisieren.

Immer häufiger suchen Maschinenbauer Unterstützung von ihren Lieferanten nicht nur in Form von Hard- und Software sondern auch in Form von Entwicklungsdienstleistungen. Bieten Sie das auch an?

Amann: Dieser Trend hat enorm zugenommen. Das kommt zum einen dadurch, dass die OEMs viel zu tun haben und zum anderen der Markt eine immer kürzere Reaktionszeit auf die Anforderungen der Kunden verlangt. Denn kaum eine Maschine ist wie die andere, weil immer mehr Sonderfunktionen- und Konfigurationen verlangt werden. Bei sehr großen OEMs, mit denen wir schon seit langem zusammenarbeiten, ist es bereits eine Hand-in-Hand-Zusammenarbeit - das sind quasi Kollegen von uns geworden, die beim Kunden sitzen und unsere Arbeit unterstützen. Wo wir auch oft sehr stark involviert sind, ist beim Generationswechsel von Codesys Version 2 auf Version 3. Das ist ein weiteres Feld, wo unsere Begleitung und Unterstützung extrem erwünscht und gefragt ist.

Welche große Entwicklungstendenzen sehen Sie im Maschinenbau auf uns zukommen?

Amann: Wenn man den globalen Maschinenmarkt betrachtet, dann ist in Deutschland ein großes Problem erkennbar - der Fachkräftemangel. Länder wie China haben uns mittlerweile in vielen Bereichen eingeholt. In den Schwellenländern haben Länder wie China die Nase vorne und exportieren schon heute stärker in diese Märkte als deutsche Maschinenhersteller. Im Bereich von High-End Maschinenbau werden wir unsere Marktposition sicher halten können. Aber der Mid-Range Bereich wird extrem hart umkämpft werden. Fachkräftemangel ist dabei natürlich ein großes Problem. Die generelle Frage, wie sich deutsche Maschinenbauer weiter am Weltmarkt positionieren können, hängt also direkt mit der Innovationskraft der Branche zusammen. Und hier meine ich, ist Schneider Electric seinen Kunden ein guter Partner. Die großen Themen der Gegenwart werden uns auch in Zukunft noch eine Weile erhalten bleiben: Ein ganz großes Thema ist weiterhin die Modularität. Weiter auf der Agenda bleiben auch Themen wie Vernetzung, Safety und die Bedienungskonzepte. Auch die Entwicklung zu mechatronischen Einheiten mit einem entsprechendem Engineeringprozess ist deutlich erkennbar. Und immer wichtiger wird die enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden, um sie dabei zu unterstützen, spezifische Funktionen für ihre Maschine zu entwickeln. Wir tun das schon jetzt und dieser Trend wird sich fortsetzen: mit dem Kunden Hand in Hand zur Lösung.

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