14.12.2018

Apps in der Dampfgarermontage

Runter mit der Fehlerquote

Anlernzeiten verkürzen, Fehlerquoten in der Montage senken und Personal effizienter einsetzen - das sind wohl Ziele in den meisten Fabriken. Moderne Kommunikationslösungen sollen dazu beitragen, sie zu erreichen. Dazu lassen sich z.B. Apps nutzen, die zu einer Verbesserung der Montageprozesse beitragen können.


Tablets dienten bei Miele im Rahmen eines Pilotprojektes als Montagehilfe.
Bild: Miele & Cie. KG

Im Projekt Arbeit 4.0 des Clusters it's OWL hat Miele gemeinsam mit der Hochschule Ostwestfalen-Lippe Ansätze für Assistenzsysteme bei der Montage von Dampfgarern entwickelt. Das Unternehmen fertigt Dampfgarer sowie Kombinationsgeräte aus Backofen, Dampfgarer und Mikrowelle in der One-Piece-Flow-Montage an U-förmigen Inseln. Hierbei ist ein Beschäftigter für den Zusammenbau eines Gerätes zuständig. Die Monteure müssen 337 Gerätevarianten beherrschen, die Zahl soll sich in den kommenden Jahren aber mehr als verdoppeln.

Eigene Apps für jede Abteilung

Durch die vielen Gerätevarianten steigt die Gefahr, Fehler zu machen. Deswegen wurde im Projekt SmartF-IT eine Werker-App entwickelt: Auf einem Tablet erhält der Werker Montagehinweise, die auf die jeweilige Arbeitsstation und den Gerätetyp abgestimmt sind. Konkret kann das etwa ein Schaubild zur richtigen Belegung von Steckkontakten sein. Die App kann außerdem dazu beitragen, Anlernzeiten für neue Mitarbeiter bzw. auf neue Produkte zu verkürzen. Eine eigene Anwendung stand im Projekt den Teamleitern zur Verfügung. Sie bildet Soll- und Ist-Menge der zu fertigenden Geräte für die jeweilige Montageinsel ab und unterstützt bei der Personalplanung, da sie auch Auskunft darüber gibt, wie viel Erfahrung ein Beschäftigter mit bestimmten Gerätetypen hat. Schließlich gibt es noch die Reparatur-App: Fehlerhafte Montagen oder defekte Bauteile lassen sich damit schneller aufspüren, da alle bisher aufgetretenen Fehler in einer Datenbank hinterlegt sind und neue eingepflegt werden. Im Ergebnis sind Fehlerauffindung und Reparaturablauf effektiver und schneller. Der gefundene Fehler wird mit erklärenden Fotos an den Werker übermittelt. Die Weitergabe erfolgt anonym, wodurch dem Reparateur nicht übertragen wird, wer den Fehler begangen hat.

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Auswertung der Anwendungen

SmartF-IT ist als Forschungsprojekt beendet, Apps und Tablets aus der Studie werden aktuell nicht in der Dampfgarermontage eingesetzt. Gründe dafür sind, dass die Projektsoftware nicht mit dem IT-System des Werkes kompatibel ist und erst Betriebsvereinbarungen über den Einsatz der neuen Prozesse geschaffen werden müssten. Werkleitung, Engineering-Abteilung und Betriebsrat haben das Projekt mit wissenschaftlicher Unterstützung und unter Einbeziehung der IG Metall ausgewertet. Die Hochschule hat daraus sogar einen Leitfaden zur Einführung von Assistenzsystemen in der Montage entwickelt. "Bei der Befragung der beteiligten Mitarbeiter kam z.B. heraus, dass Bedenken aus Datenschutzgründen so gut wie keine Rolle gespielt haben", sagt Felix Busch, technischer Assistent der Werkleitung. Kritik habe es vielmehr an Kleinigkeiten gegeben: Die Tablets seien zu klein oder nicht in der passenden Höhe montiert. "Betroffene zu Beteiligten machen - das war im Nachhinein ganz entscheidend dafür, dass unsere Leute das Projekt angenommen haben und aus Eigeninitiative Verbesserungen vorgeschlagen haben" ergänzt Betriebsratsmitglied Daniel Brockmann. "Es war wichtig, die Vorschläge unserer Monteure aufzugreifen und sie auch umzusetzen", bekräftigt auch Busch. Wie geht es weiter? Derzeit werden Werker-App und Reparatur-App zu einem einsetzbaren Assistenzsystem für die Miele-Produktion weiterentwickelt. Bedarf dafür besteht an mehreren Standorten. Schwieriger ist die Teamleiter-App: Bevor Leistungsbeurteilungen einmal in einer App verfügbar sein können, müssen datenschutzrechtliche Fragen geklärt sein.

Neue Projekte

Auch bei weiteren Transferprojekten von it's OWL spielt das Themenfeld Arbeit 4.0 eine Rolle. Im neuen Leitprojekt Aware untersuchen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und die IG Metall den aktuellen Ist-Zustand digitalisierter Arbeitswelten, um daraus konkrete Empfehlungen und Angebote für Unternehmen des produzierenden Gewerbes zu entwickeln. Dabei geht es z.B. um kognitive Assistenzsysteme, Lernplattformen und agile Personalentwicklung.

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