Erschienen am: 01.03.2018, Ausgabe SPS-MAGAZIN 3 2018

Technologieförderung im Mittelstand

Innovationen finanzieren

Mehr als 5Mrd.€ werden 2018 vom Wirtschafts- und Forschungsministerium den einzelnen Bundesländern und der EU an den deutschen Mittelstand ausgeschüttet. Doch wann macht eine Antragstellung im Maschinenbau wirklich Sinn?


Bild: © Tzido Sun/shutterstock.com

Der deutsche Maschinenbau und die Automatisierungstechnik zählen zu den besonders innovativen Branchen in Deutschland. Eigentlich sollte diese Zielgruppe im Hauptfokus der deutschen Technologieförderung stehen.

Die Antragsvoraussetzungen

Der Standort der Entwicklung und auch vorzugsweise der Produktion sollte in Deutschland sein. Tochterunternehmen ausländischer Unternehmen, die in Deutschland forschen und entwickeln, sind ebenfalls antragsberechtigt. Die Entwicklung sollte sich vom Stand der Technik unterscheiden. Die Praxis zeigt aber, dass dieser nicht immer eindeutig zu definieren ist. Gerade Konzerne und Institute verstehen es sehr gut, den Stand der Technik immer wieder neu zu interpretieren. Bei den klassischen Mittelstandsprogrammen sind die Antragsgrenzen 50Mio.€ Umsatz und/oder 500 Mitarbeiter.

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Der oder die Antragsteller

Im zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) ist es das einzelne mittelständische Unternehmen mit drei bis 500 Mitarbeitern, das ohne Kooperationspartner seine Produkt-, Verfahrens-, oder Dienstleistungsidee beim Projektträger AiF oder EuroNorm in Berlin vorstellt. Diese Projektträger ermöglichen auch eine Zusammenarbeit mit weiteren mittelständischen Unternehmen oder Großunternehmen aus Deutschland oder dem Ausland. Vorzugsweise erfolgt in der Praxis eine Zusammenarbeit mit Hochschulen, Universitäten oder sonstigen Forschungseinrichtungen, um dort die personelle und technische Infrastruktur für den Entwicklungsprozess zu nutzen. Bei Verbundprojekten können auch Großunternehmen aus dem In- und Ausland gemeinsam mit Mittelständlern und Forschungseinrichtungen einen Antrag stellen. In der Regel ist bei Projektförderungen ein zweistufiges Verfahren sinnvoll, um über die Ideenskizze die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Bewilligung zu bewerten.

Die Förderinstrumente

Die indirekte Förderung sowie die Projektförderung sind die gängigen Förderinstrumente. An dieser Stelle ist aber auch die vergangene indirekt spezifische Förderung zu erwähnen, weil sie viele Vorteile bietet - Erfolgsbeispiele finden sich in der Biotechnologien in der Mikrosystemtechnik. Auch die steuerliche Forschungsförderung, die in der Zukunft erwartet wird, sollte nicht beleuchtet werden.

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Die Bewilligung

Die Erkenntnisse aus über 10.000 Bewilligungen sind nicht einfach in wenigen Sätzen zusammenzufassen. Der deutsche Förderkatalog gliedert nach fachlicher Spezifika, sodass speziell für Maschinenbau und Co. erfolgreiche Antragsteller und Institute identifiziert werden können. Solche Profis im Ideenkonsortium dabei zu haben macht Sinn. Eine telefonische Voranfrage zur Durchsprache der Projektskizze beim Projektträger oder ausnahmsweise auch dem zur Bewilligung eingeschalteten Ministerium macht ebenfalls Sinn. Noch besser ist ein persönliches Gespräch, um neben der schriftlichen Darstellung der Ausschreibung und deren Ziele auch die Bedürfnisse der anderen Seite zu erkennen. Der Zielkonflikt, genügend technisches und wirtschaftliches Risiko aufzuweisen und auf der anderen Seite aber auch für eine praktische Umsetzung der Entwicklungsergebnisse aufzuzeigen, muss bewältigt werden.

Förderprofis und Referenzbeispiele

Es lohnt, die Statistiken der Drittmittelempfänger von Seiten der Universitäten zu lesen. Hier sind seit Jahren die RWTH Aachen sowie die TU München an der Spitze. Ein Institut dieser Topadressen einzubinden erhöht also die Erfolgswahrscheinlichkeit. Auch unter den deutschen Unternehmen gibt es Förderprofis - im Gebiet der Fertigungstechnik und Produktion ist z.B. das Unternehmen Wittenstein ein sehr erfolgreicher Antragsteller. Der Förderkatalog gibt Auskunft über die Bewilligungserfolge. Auch Großunternehmen wie Bosch oder Siemens sind in der Spitzengruppe der Fördermittelempfänger.

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Kritik- und Verbesserungsvorschläge

Gerade die Mittelständler des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus sowie der Automatisierungsbranche sollten zur Antragstellung schreiten. Denn die Projektträger sind aufgerufen, auch Neueinsteiger in der Förderung verstärkt zu unterstützen, obwohl diese Antragsteller bedeutend mehr Arbeit verursachen als die altbewährten Förderprofis. Ein hoher Bürokratismus bei der Antragstellung lässt wenig Zeit während des Förderzeitraumes, um praktische und inhaltliche Ergebnisse zu bewerten. Ideal wäre es, zwei Drittel der Projektträgerzeit für diese Tätigkeit zu verwenden um dann auch einzelne Förderprojekte zu beenden. Die eingesparte Zeit und das eingesparte Geld sollten genutzt werden, um schneller von der Idee zur Bewilligung zu kommen.

Tipps & Tricks

Viele Erfolgskriterien sind schon benannt. Nicht nur für die Erstantragsteller lohnt ein Blick auf die deutsche Förderberaterszene. Angefangen in den 1980er-Jahren gab es über 100 Marktteilnehmer. Nur noch wenige dieser Firmen konzentrieren sich ausschließlich auf die deutsche Förderung und können über 5.000 Bewilligungen vorweisen. Das Beratungsunternehmen Spitzmüller hat einen Leitfaden zusammengestellt, der die Inhalte eines seriösen Beratungsprozesses zur Technologieförderung zusammenfasst.

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