Erschienen am: 12.12.2017, Ausgabe SPS-MAGAZIN 12 2017

Risikoeinschätzung mit EN 23125 für Drehmaschinen

Gefährdungsbetrachtung

In den beiden vorhergehenden Beiträgen (SPS-MAGAZIN 9/17 und 11/17) wurden Möglichkeiten zur Risikobeurteilung nach übergeordneten Normen, sogenannten B-Normen, vorgestellt. Für Drehmaschinen steht aber auch eine C-Norm, die EN ISO23125, zur Verfügung. In dieser sind einige Regelungen zur Risikobeurteilung speziell bei Drehmaschinen aufgeführt.


Bisherige Teile der Serie

Teil 1: Einführung (SPS-MAGAZIN Hannover Messe 2017)

Teil 2: Risikobeurteilung mit EN ISO12100 (SPS-MAGAZIN 7/ 2017)

Teil 3: Risikoeinschätzung mit EN ISO13849-1 (SPS-MAGAZIN 9/2017)

Teil 4: Risikoeinschätzung mit EN62061 (SPS-MAGAZIN 11/2017)

In der EN ISO 23125 sind einige Regelungen zur Risikobeurteilung speziell bei Drehmaschinen aufgeführt.
Bild: Euchner GmbH & Co. KG

Im Kapitel 4 der EN ISO23125 ist eine Liste mit möglichen signifikanten Gefährdungen enthalten. Diese dient dem Konstrukteur als Hilfestellung, welche Gefährdungen zu beurteilen sind. Wie bei C-Normen üblich, sind dies die Gefahrenstellen in der Maschine, wie z.B. der Arbeitsbereich oder der Bereich des Späneförderers, aber auch die Gefahren selbst, wie z.B. Herausschleudern von Teilen oder auch Erfassen und Einziehen von Teilen. Selbst Gefährdungen, die von Feuer oder Explosion ausgehen, werden von der C-Norm mit behandelt. Folgende Gefährdungen sind dabei zu betrachten:

  • • Mechanische Gefährdungen
  • • Elektrische Gefährdungen
  • • Thermische Gefährdungen
  • • Lärm Gefährdungen
  • • Strahlungs-Gefährdungen
  • • Material-/Substanzgefährdungen
  • • Ergonomische Gefährdungen
  • • Gefährdungen im Zusammenhang mit

der Einsatzumgebung der Maschine

Die zuvor aufgeführten Gefährdungen werden in gefährliche Situationen und gefährliche Ereignisse unterteilt. Beispielhaft könnten dies für mechanische Gefährdungen folgende sein:

  • • Beschleunigung/Abbremsung (kinematische Energie)
  • • spitze Teile
  • • Annäherung eines sich bewegenden Teils an ein feststehendes Teil
  • • ...

Die Gefährdungen werden sehr spezifisch behandelt und in einer Tabelle zusammengetragen. Für jede Gefährdung wird auf den Abschnitt in der Norm verwiesen, was bezüglich jedes einzelnen Punktes zu beachten ist.

Ausfall der Steuerung

Im Kapitel 5.11 der EN ISO23125 mit dem Titel "Besondere Anforderungen infolge von Gefahren durch Ausfall der Steuerung" ist eine Tabelle für den geforderten PL enthalten. Die Betrachtung in der Norm ist hier umgekehrt - die Risikominderung wird durch steuerungstechnische Maßnahmen erreicht. Dazu muss die jeweilige Maßnahme einen PL erfüllen. Dieser PL muss aber zumindest dem PLr der Gefahrenstelle entsprechen. Auch hierzu ein Beispiel aus der Norm. Die Risikominderung durch eine Schutztür im Arbeitsbereich durch den Bediener muss mindestens Kategorie 3 und PL d erfüllen. Normativ wird das ein wenig umständlicher formuliert (Tabelle 2). In dieser Tabelle wird neben dem PL für die Schaltung auch die Kategorie vorgegeben. Nach EN ISO13849-1 könnte der PL d auch mit einer Kategorie 2 Schaltung erreicht werden, was entsprechend der Tabelle für die Drehmaschine aber nicht geeignet ist. Es muss die Kategorie 3 erfüllt werden. Die Risikobeurteilung nach ISO 13849-1 Anhang A ergibt einen benötigten Performance Level (PLr = Performancel Level required). Die Beurteilung nach EN62061 dagegen einen SIL (Safety Integrity Level). Die EN ISO12100 lässt völlig frei, wie das Ergebnis der Risikobeurteilung auszusehen hat. Die EN ISO23125 enthält im Abschnitt 5.11 eine Tabelle zur Risikobeurteilung, die einen PLr für spezifische Gefährdungen an Drehmaschinen ergibt. Die technische Risikominderung wird ebenfalls nach EN ISO13849-1 beurteilt. Somit ist der Vergleich des PLr mit dem PL der steuerungstechnischen Maßnahmen einfach. Deshalb ist die Angabe eines PLr in der EN ISO23125 sehr hilfreich.

Anzeige